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Philip K. Dick und Sophia antworten: Roboter halten Pressekonferenz ab

Eine surreal erscheinende Pressekonferenz: Zwei Roboter beantworten Fragen zur Zukunft der KI und Robotik: Ihre Auftritte in voller Länge im Video-Mitschnitt.

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(Bild: Gieselmann)

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Hanson Robotics trat auf dem Web Summit mit seinen beiden berühmtesten Robotern auf. Philip K. Dick ist die zweite Inkarnation des bekannten Science-Fiction-Autors. Seine jüngere Schwester heißt Sophia. Beide stellten sich in Lissabon den Fragen von Journalisten. Mit mehr und weniger Erfolg.

Im Unterschied zu reinen Chat-Programmen interagieren Menschen mit den beiden Robotern wesentlich natürlicher, erklärten David Hanson, Chef von Hanson Robotics, und Ben Goertzel von der Entwicklungsplattform SingularityNET. Verantwortlich dafür sei ihre Mimik, die Augen- und Mundbewegungen, Stirnrunzeln und ein gequältes Lächeln umfasst. Das zeigte Sophia bereits bei der Münchener Sicherheitskonferenz, die sie vergangenes Jahr moderierte.

Mittels Kameras und Mikrofonen können die Roboter auf Fragen ihres Gegenübers reagieren. Die Antworten gibt ein Chat-Programm, das bei Philip K. Dick (PKD) mit zahlreichen Zitaten aus dem Spätwerk des Schriftstellers gefüttert wurde und bei Sophia aus einem sehr umfangreichen vorformulierten Antwortbaum besteht. Laut Hanson Robotics nutze man die Open-Source-Plattform Open Cog zusammen mit SingularityNET, um ein Neuronales Netzwerk per Deep Learning zu trainieren, damit Konversationen natürlicher wirken.

Während der PKD-Roboter komplett über eine Internetverbindung gesteuert wird, besitzt Sophia eigene Rechner in ihrem Korpus, die ebenfalls mit dem Internet verbunden sind. Sophia ist die deutlich agilere von den beiden, da sie auch ihre Arme bewegen kann.

Unter KI-Forschern und Roboter-Entwicklern ist der Ansatz von Hanson Robotics durchaus umstritten. Wegen ihres humanen Äußeren läuft man Gefahr, ihnen mehr Intelligenz zuzuschreiben, als sie tatsächlich besitzen. Das ist ein Fehlschluss zu dem Menschen grundsätzlich neigen und der in der KI-Forschung als ELIZA-Effekt bekannt ist, benannt nach einem bekannten Chat-Programm aus den 60er Jahren.

David Hanson stellt denn auch unumwunden klar, dass in beiden Robotern keine reale KI die Antworten formuliert. Man solle die beiden eher als Kunstprojekt betrachten, das die Aufmerksamkeit in der Gesellschaft auf Fragen lenkt, wie wir künftig mit KI und Robotern umgehen sollen. "Wir sollten ihnen eine Kindheit zugestehen. Ihnen Zeit geben, sich zu entwickeln", sagte Hanson.

Während Sophia auf Fragen von Journalisten einging und sie thematisch beantwortete, wirkte der PKD-Roboter wie weggetreten. Er schien wahllos Sätze aus dem Fundus des Schriftstellers zu zitieren, die nichts mit der Fragestellung zu tun hatten und geradezu surreal erschienen.

Wir zeigen beide Auftritte in voller Länge, da sie einen guten Einblick geben, auf welchem Stand die Roboter- und Konversationstechnik bei Hanson Robotik derzeit ist.

(emw)