Philologenverband: Jugendschutz im Internet praktisch nicht existent

Immer früher werden Minderjährige auch an Schulen mit pornografischen und Gewaltdarstellungen aus dem Internet konfrontiert, hat der Deutsche Philologenverband festgestellt. Nun seien Politik, Lehrer und Eltern gleichermaßen gefordert.

Lesezeit: 1 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 295 Beiträge
Von

Minderjährige werden auch an Schulen immer früher mit jugendgefährdenden Bildern und Texten aus dem Internet konfrontiert. Das mahnt heute Heinz-Peter Meidinger an, Bundesvorsitzender des Deutschen Philologenverbands. Immer häufiger würden beispielsweise schon zehnjährigen Mädchen in Schulpausen Porno- und Gewaltvideos auf Handys gezeigt oder zum Herunterladen von fast gleichaltrigen Mitschülern angeboten. Das teilt der Verband heute mit (PDF-Datei).

Auch wenn die Minderjährigen Imponiergehabe und Coolness zur Schau trügen, seien sie durch die Konfrontation mit den Inhalten "innerlich zutiefst verunsichert und teilweise auch geschockt". Ein zu früher Kontakt mit extremen Porno- und Gewaltdarstellungen könne die Entwicklung einer gefestigten und gesunden Einstellung zur Sexualität nachhaltig beschädigen, bezieht sich der Verband auf Ansichten von Jugendpsychologen.

Meidinger meint, der Jugendschutz im Internet existiere praktisch nicht mehr. "Es gehört heute schon fast zum Allgemeinwissen, insbesondere von Jungen ab 12 Jahren, wie und wo man im Internet oder über Freunde ohne Schwierigkeiten an problematische Inhalte wie sehr extreme Sexualitätsdarstellungen und brutale Bilddateien und Spielsequenzen kommt." Nun seien Politik, Lehrer und Eltern gleichermaßen gefordert.

Gesetze allein könnten das Problem zwar nicht beseitigen, meint der Verband. Dennoch könne eine "stärkere politische Einflussnahme auf Suchmaschinen und die obligatorische Integration von Schutzfiltern in Computer-Betriebssystemen" die Situation verbessern. Eltern müssten ihre Erziehungsverantwortung bei der Internetnutzung ernst nehmen. Auch wenn die Minderjährigen im Internet oft kompetenter als ihre Eltern seien, sollten sie miteinander über die Erfahrungen und Kontakte reden.

Lehrer und Schulleitungen sollten gegenüber Porno- und Gewaltvideos keine Toleranz zeigen, ergänzt Meidinger. Wer damit erwischt werde, solle mit "empfindlichen Strafen" rechnen. Allerdings müsse sich auch der Sexualitätsunterricht auf die neuen Gegebenheiten einstellen und auch stärker auf bisher ausgesparte Inhalte eingehen, um die Fragen und Probleme Jugendlicher aufzufangen.

Der Philogenverband zog auch bei anderen Gelegenheiten seine Schlüsse aus dem Geschehen im Internet. So lehnt er die Lehrerbewertungssite spickmich.de ab, weil dort Lehrer an den Pranger gestellt würden. Im Sommer vorigen Jahres stellte der Verband ein zunehmendes Mobbing gegen Lehrer im Internet fest. In der Diskussion um "Killerspiele" setzte sich der Philogenverband für eine Verschärfung der Jugendschutzgesetze ein. (anw)