Menü

Phoenix Point angespielt: Mutanten-Taktik vom XCOM-Erfinder

Mit Phoenix Point wollen XCOM-Erfinder Julian Gollop und Snapshot Games am Genre-Thron rütteln. Abseits einiger netter Ideen läuft leider nicht alles rund.

Lesezeit: 2 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 24 Beiträge

(Bild: Snapshot Games)

Von

Julian Gollop ist ein echtes Urgestein der Szene, der schon so manchen Genre-Klassiker verantwortet hat. Zusammen mit Snapshot Games will er sich nun mit seinem einstigen Meisterstück XCOM anlegen und lässt Spieler in Phoenix Point gegen bösen Mutanten und ehrgeizige Welteroberer antreten. So ganz geht der Plan aber nicht auf.

Nach einer großen Katastrophe ist die Menschheit zu einem kleinen Häufchen Überlebender zusammengeschrumpft, die sich in kleinen Siedlungen vor einer drohenden Mutantenplage verkriechen. Überall haben sich Fraktionen gebildet, die mit religiösem Fanatismus, brutaler Militärdiktator oder Wissenschaft die Mutantenplage besiegen wollen, aber auch untereinander um die Weltherrschaft kämpfen. Das geheimnisvolle Phoenix-Projekt sorgt für Ruhe und Ordnung hinter den Kulissen der Weltpolitik. Die Mutantenplage stellt aber selbst die Phoenix-Elitesoldaten vor ihre größte Herausforderung.

Das Szenario klingt bekannt, blickt man nicht genau hin, könnte Phoenix Point auch XCOM 3 heißen. Hier wie dort schicken die Spieler ihre Elitesoldaten in Rundentaktikkämpfe und forschen in ihren Basen nach neuen Waffen und Technologien. Die Unterschiede erkennen vor allem Genre-Kenner: die Umgebung ist zerstörbar, Friendly Fire kann den Sieg kosten und Ausrüstung oder Körperteile von Freund und Feind können zerstört werden. Mittels eines Zooms können die Spieler auch direkt bestimmte Körperteile des Gegners anvisieren. Die von XCOM gewohnte Prozentanzeige der Trefferwahrscheinlichkeit fehlt.

Die Missionen reichen vom einfachen Vernichten des Gegners über Schutzmissionen bis hin zum Zerstören bestimmter Objekte. Der Schwierigkeitsgrad schwankt sehr. Manchmal reicht es, wenn die Spieler einfach schnell das Zielobjekt ausschalten, während in einer anderen Mission die Soldaten erst nacheinander evakuiert werden müssen, um die Mission zu beenden. So sprangen wir in unseren Anspielstunden bei der Infiltration eines Mutantennests mit unserem Jetpack einfach bis zur Brutstätte, zerstörten sie und konnten die Erfahrungspunkte einstreichen, obwohl um uns herum die Mutantenbrut wütete. Das ist nicht nur unlogisch, sondern nimmt dem Spiel auch einen großen Teil seiner Spannung.

Die cleverste Idee von Phoenix Point spielt sich abseits des Kampfs ab. Auf der Weltkarte scannen die Spieler neue Gebiete, treffen Fraktionen und nehmen Missionen an. Dabei sitzen die Phoenix-Soldaten buchstäblich zwischen allen Stühlen und müssen abwägen, mit wem sie sich verbünden sollen: Mit den verrückten religiösen Fanatikern oder mit dem verrückten Milliardär, der eine eigene Militärdiktatur gegründet hat?

Phoenix Point angespielt (5 Bilder)

Altbekannte Rundentaktik mit ein paar neuen Ideen: XCOM-Fans werden sich in Phoenix Point sofort heimisch fühlen. (Bild: heise online)

Theoretisch können sich die Spieler alleine durchschlagen. Empfehlenswert ist das aber nicht, denn nur durch gute Beziehungen können sie neue Soldaten rekrutieren und Handel treiben, um Ressourcen aufzubessern. Diese können dann wieder in den Ausbau der Basen und neue Forschungen investiert werden. Aber Vorsicht: Gefahren lauern überall. Vernachlässigen die Spieler mal eine ihrer Basen, kann sie von Mutanten oder feindliche Fraktionen zerstört werden.

Neben der Diplomatie ist der Schutz der Basen die größte Herausforderung des Spiels. Die werden nämlich ständig angegriffen. Teilweise ist es gar nicht möglich, rechtzeitig zur Rettung der Basen zu eilen – das frustriert. Wer nicht häufig abspeichert und von Beginn an seine Basen beschützt, wird schnell auf der Verliererstraße landen. Ähnlich wie XCOM schläft der Feind nämlich nie: Unaufhörlich tickt die Uhr runter, bis die ganze Welt entweder von den Mutanten überrannt wird oder die allesrettende Wunderwaffe des Phoenix Projects entwickelt wurde.

Abwarten, Geduld haben. In Phoenix Point läuft noch nicht alles so rund, wie es sich die Fans und die Entwickler vorgestellt haben. Der Schwierigkeitsgrad schwankt enorm und der manchmal aussichtslose Kampf um die Basen kann besonders Genre-Anfänger frustrieren. Vielleicht ist das ein Grund, warum Snapshot Games gleich zum Release ein umfangreiches Balance-Update nachliefert.

Bis jetzt ist Phoenix Point ein solider XCOM-Klon mit hoher Verwechslungsgefahr, der sich nur durch ein paar nette Ideen vom Original abheben kann.

Phoenix Point erschien am 03. Dezember für Windows exklusiv im Epic Game Store und kostet ca. 40 Euro. Für unseren Artikel haben wir ein paar Stunden die Windows-Version gespielt.
(dahe)