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PhonoLine offiziell gestartet

Mit dem ersten offiziellen Download durch den Vorsitzenden der Phonoverbände ist die deutsche Branchenplattform eröffnet: 99 Cent pro Track -- aber kein MP3.

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Von
  • Sven Hansen

"Only if I" heißt der erste Titel, den Gerd Gebhardt, Vorsitzender der deutschen Phonoverbände, über die deutsche Branchenplattform PhonoLine heruntergeladen hat. Ab heute steht das Angebot für interessierte Shop-Anbieter offen: 250.000 Titel, die stetig um weitere Inhalte erweitert werden sollen, besonders durch zahlreiche Independent-Labels. Momentan stellen vor allem Major-Labels die Songs. Dazu kommen vier verschiedene Shop-Modelle inklusive Abrechnung und Auslieferung vom individualisierten Einzel-Shop bis zum One-Klick-Angebot, bei dem ein durchgeleiteter Download-Kunde für den Shop-Anbieter mit einem prozentualen Anteil am Verkaufspreis vergütet wird.

Der Ticket-Verkäufer CTS-Eventim tritt als erster Handelspartner auf, der PhonoLine Inhalte anbietet, doch auch Popfile.de von Universal Music setzt offiziell auf die Plattform auf. Während der Track-Preis bei Popfile nach dem Relaunch auf 1,49 angestiegen ist, bleibt Eventim unterhalb der 1-Euro-Marke. Eventim-Chef Klaus-Peter Schulenberg kündigte an, dass man dieses Preismodell möglichst langfristig sichern wolle. Dies dürfte schwer sein, denn die Preisvorstellungen von GEMA, Platten-Labels und T-Com als technischem Dienstleister ergeben einen Preis weit oberhalb der 99 Cent.

Achim Berg, Vorstand Marketing und Vertrieb der T-Com, outete sich als "Technik-Freak" und überraschte mit der Aussage, der My-Playlist-Client der PhonoLine-Plattform würde MP3-Files zum Übertragen an mobile Player ausgeben, die lediglich mit einem Wasserzeichen versehen seien. Tatsächlich gibt es am Markt keine mobilen Player, die das proprietäre MP3 von PhonoLine lesen können, die Dateien werden daher in Windows Media Audio 9 (WMA) transkodiert und mit DRM versehen -- nur eine Hand voll mobiler Player lassen sich nutzen.

Die ursprünglich geplante Eröffnungszeremonie, bei der Bundeskanzler Gerhard Schröder den ersten Download starten sollte, wurde offenbar wegen Bedenken seitens des Kanzleramtes verworfen. In einem Brief an den Kanzler hatte GEMA-Vorstandsvorsitzender Reinhold Kreile in letzter Minute darauf hingewiesen, dass für "das Downloaden auf der CeBIT noch von keiner Seite die erforderlichen Lizenzen eingeholt worden" seien. Grund genug für den Kanzler, nicht aktiv zur Maus zu greifen und sich das Branchen-Portal erst eine Minute nach dem ersten Download vorführen zu lassen.

Das Medieninteresse rund um den PhonoLine-Start blieb von der Protokolländerung unberührt, was nicht zuletzt an den aufgebotenen Künstlern liegen dürfte: Neben der "Only if I"-Interpretin Kate Ryan hatte die Musikbranche die Scorpions, den Produzenten Mousse T., den Hip-Hop-Interpreten und Texter Eko Fresh und BigBrother-Moderator Oli P. aufgeboten. "If I could turn back time" lautet eine der Zeilen aus dem ersten Musik-Download aus Deutschlands Branchen-Plattform, bei den meisten Beteiligten dürfte allerdings die Freude über den Start überwiegen. Von den technischen und politischen Grabenkämpfen abgesehen, bietet PhonoLine hiesigen Händlern eventuell eine Chance, gegen die anrollenden US-Dienste zu bestehen. (sha)