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Pillars of Eternity 2 angespielt: Alte Schule auf hoher See

Pillars of Eternity 2: Deadfire dreht die Spieluhr ein paar Jahre zurück. Spieler dürfen sich auf ein klassisches Rollenspielabenteuer freuen, das auf jeden modischen Schnickschnack verzichtet.

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Pillars of Eternity 2 Deadfire angespielt: Alte Schule

(Bild: Obsidian)

Pillars of Eternity 2: Deadfire setzt genau da an, wo der erfolgreiche Vorgänger aufhörte. Statt eines aufwendigen Spektakels erwartet die Spieler eine zweckmäßige Grafik und viel zu lesen. Der Held aus dem ersten Teil hat sich inzwischen auf seine Burg zurückgezogen, um sich von den Strapazen seines Abenteuers zu erholen. Dummerweise spielen die Götter da wieder mal nicht mit. Plötzlich erhebt sich aus dem Nichts ein riesiger Koloss, der auf seinem Weg über das Land nur Tod und Zerstörung hinterlässt. Der Spieler schlüpft ein weiteres Mal in die Rolle eines Helden wider Willen, der diese Bedrohung stoppen muss.

Episches Rollenspiel

Die Fans des ersten Teils werden sich sofort wohlfühlen. Obsidian experimentiert nicht herum, sondern schickt die Fans in ein klassisches Rollenspielabenteuer aus der Vogelperspektive. Im Charakterbaukasten gibt es eine bunte Auswahl aus verschiedenen Völkern und Spielklassen wie Kämpfer oder Zauberer. Erfahrene Spieler dürfen sich auch in Mischklassen versuchen, die einen variablen Spielstil ermöglichen, aber im Levelaufaufstieg eingeschränkt sind.

Pillars of Eternity 2 angespielt (5 Bilder)

Die Kämpfe in Pillars of Eternity 2 werden schnell unübersichtlich. (Bild: heise online)

Neueinsteiger sollten kein Actionspektakel erwarten, das die Handlung in hohem Tempo vorantreibt. Geduld ist gefragt, bis der Held erst mal ein schlagkräftiges Team gefunden hat. Bevor die ersten größeren Kämpfe anstehen, muss oder darf sich der Spieler durch zahllose Dialoge klicken. Wer hier schon zu gähnen anfängt, sollte es lieber gleich bleiben lassen. Wie es sich für ein gutes, altmodisches Rollenspiel gehört, entfacht das Abenteuer erst nach einigen Stunden Einarbeitung seine Sogwirkung. Die umfangreiche Story, die teilweise sarkastischen Dialoge und die detailliert geschilderte Welt entschädigen geduldige Fantasyfans aber für den Aufwand.

Fast alles beim Alten

Die Kämpfe selbst wirken manchmal sogar etwas störend. Sie laufen in Echtzeit ab und können jederzeit pausiert werden. Im Laufe der Geschichte lernen die Helden beim Levelaufstieg zahllose Fertigkeiten und Zaubersprüche, die einen sehr variablen Kampfstil ermöglichen. Der Schwierigkeitsgrad schwankt in den ersten 20 Spielstunden zwischen kinderleicht und hammerhart. Wer sich aber ein bisschen clever anstellt, kann manchen Kämpfen durch Verhandlungsgeschick aus dem Weg gehen. Ganz Faule verlassen sich auf die Helden-KI, die aus den Kämpfen ein etwas anspruchsvolleres Diablo macht.

Fans des Originals müssen sich damit abfinden, dass die Gruppe auf maximal fünf Mitglieder geschrumpft ist. Für das lebensnotwendige Lager werden diesmal keine speziellen Vorräte benötigt. Stattdessen sollte aber ordentlich Nahrung im Gepäck sein, um die Moral zu stärken. Mit einem einfachen Crafting-System kann sich der Held Heiltränke oder Zaubersprüche anfertigen. Einige Mini-Events werden in Textdialogen ausgespielt, die an digitale Spielbücher wie Sorcery oder 80 Days erinnern.

Auf hoher See

Neu ist das Schiffsmanagement. Um die umfangreiche Spielwelt zu bereisen, bemannt der Held ein Schiff und sticht in See. Dabei muss er auf eine ausgeglichene Besatzung, genug Vorräte und nicht zuletzt auf die Bezahlung achten. Kämpfe auf See werden in Textdialogen ausgespielt. Der Spieler gibt hier durch einfache Befehle Fahrtrichtung oder Angriff vor. Nur beim Entern schaltet das Spiel in den gewohnten Kampfmodus.

Diese nüchterne Umsetzung passt zur visuellen Darstellung. Im Gegensatz zum Vorgänger hat Obsidian zwar an den Details geschraubt, aber an die Pracht von Divinity Original Sin 2 kommt es nicht heran. Dafür stimmt die abwechslungsreiche und enorm realistische Sprachausgabe mit witzigen Dialogen und abwechslungsreichen Dialekten. In den besten Momenten ist Pillars of Eternity 2 weniger ein Spiel und eher ein großer Fantasyroman.

Zwischenfazit

Obsidian Entertainment schlägt mit Pillars of Eternity 2: Deadfire den perfekten Bogen zwischen nerdigem Rollenspielen und modernem Klassiker. Die Spielwelt ist prall gefüllt mit Details, schrägen Figuren und nicht zuletzt einer epischen Fantasystory. Um das genießen zu können, müssen die Spieler aber viel Geduld mitbringen. Da auch Grafik und Kämpfe nicht besonders spektakulär sind, werden sich Neueinsteiger etwas schwer tun. Trotzdem hat Obsidian mit Pillars of Eternity 2 eine würdige Fortsetzung mit ein paar neuen Ideen geschaffen: altmodisch, aber gut.

Pillars of Eternity 2: Deadfire erscheint am 08. Mai für Windows, macOS und Linux. Es kostet ca. 45 Euro. Für unser Angespielt habe wir ein paar Stunden mit der Windows-Version gespielt.


Siehe dazu auch:

(dahe)

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