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Pilotprojekt zur Bürger-E-Post De-Mail gestartet

E-Mail-Veteran Professor Werner Zorn (links) und Bernhard Rohleder vom Branchenverband Bitkom versenden die erste DE-Mail.

Informatikprofessor Werner Zorn und Bernhard Rohleder, Geschäftsführer des Branchenverbands Bitkom, haben am heutigen Donnerstag in Berlin einen sechsmonatigen Testlauf für die Bürger-E-Post "De-Mail" in der "T-City" Friedrichshafen gestartet. Rohleder verschickte dazu die erste elektronische Nachricht über den Dienst an Zorn, der vor 25 Jahren auch in dem Team der Universität Karlsruhe war, das die erste E-Mail hierzulande erhielt. Zorn hofft, dass Deutschland mit der Initiative für eine verschlüsselte Mail international eine Vorreiterrolle einnehmen wird: Das Internet werde damit sicherer, zugleich würden sich "Exportmärkte" für deutsche Anbieter öffnen. De-Mail solle ein "internationales Erfolgsmodell" werden, um "global sicher zu kommunizieren".

Hans Bernhard Beus, Beauftragter für Informationstechnik der Bundesregierung, bezeichnete das Vorhaben als "wichtigen Baustein" für eine vertrauenswürdigere Online-Kommunikation. Die aktuellen Meldungen über Phishing-Attacken machten deutlich, dass hier Nachbesserungen dringend erforderlich seien. De-Mail sei "nicht in erster Linie ein staatliches Großprojekt". Es werde vielmehr vorrangig von der Internetwirtschaft vorangetrieben. Der Staat ermögliche nur die Infrastruktur und den dafür benötigten Rahmen. Beus räumte aber auch ein, dass die scheidende schwarz-rote Regierung den entsprechenden Gesetzesentwurf zu spät in den Bundestag eingebracht habe. Es werde daher eine der ersten Aufgaben der neuen Koalition sein, eine neue Initiative zu präsentieren. Bis dahin sei es "hilfreich, wenn wir praktische Erfahrungen in Friedrichshafen sammeln können".

"Wir haben die erste anwendbare sichere E-Mail gesehen", freute sich auch Hartmut Isselhorst, Abteilungsdirektor im Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), über den historischen Moment. Heute würden Mails nur im "unteren Promillebereich verschlüsselt", da die erforderlichen Sicherheitsmechanismen komplex seien und sich nicht in der Breite durchgesetzt hätten. Jetzt werde diese Dienstleistung auch für den Bürger angeboten: "Der Provider übernimmt die Verschlüsselung." Für den Anwender werde es so einfacher. Nur die Identifizierung vor der Inanspruchnahme des Dienstes müsse der Nutzer mit Hilfe des Post-Ident-Verfahrens oder künftig mit dem elektronischen Personalausweis selbst leisten.

Das BSI hat die Voraussetzungen für das Projekt laut Isselhorst gemeinsam mit Anwendergruppen und Betreibern abgesteckt. Bevor ein Provider an den Markt gehen könne, müsse er sich prüfen lassen. Dabei führe das BSI auch Hackertests durch, kontrolliere das Sicherheitssystem und achte auf vorliegende Datenschutzsiegel. Das schließe Angriffe zwar nicht hundertprozentig aus, erlaube aber den Aufbau "rechtssicherer Kommunikation" auf der Infrastruktur. So könnten die Anwender etwa wichtige digitale Unterlagen in einem Datensafe hinterlegen. Phishing-Attacken auf Grundlage gefälschter E-Mails würden zugleich zurückgedrängt: Die Wahrscheinlichkeit im De-Mail-Bereich dafür sei sehr gering, weil Täter dort bekannt seien.

Zu den künftigen Kosten der verschlüsselten Bürgermail konnten sich die Beteiligten nach wie vor nicht klar äußern. Der Preis werde sich auf jeden Fall "unter dem für den normalen Papierverkehr bewegen", erklärte Jürgen Schulz, Leiter des öffentlichen Dienstleistungsangebots bei T-Systems. Im Rahmen des Pilotbetriebs am Bodensee könnten Bürger und Unternehmen das Verfahren sechs Monate lang kostenfrei testen. Auf große Einsparpotenziale für die Wirtschaft verwies Christoph Schmallenbach, Vorstandsmitglied der Generali Deutschland Holding. Allein die Versicherungsbranche verschicke jährlich über 800 Millionen Schreiben an ihre Kunden, wobei sie bislang vor allem auf den Postweg setze. Diese Kommunikation könnte künftig weitgehend digitalisiert werden.

Rohleder appellierte zugleich an die geplante schwarz-gelbe Regierungskoalition, den Rechtsrahmen für De-Mail mit dem Bürgerportalgesetz zügig zu verabschieden. Neben anderen Oppositionsparteien hatte bislang aber auch die FDP "gravierende Mängel" in dem Entwurf ausgemacht. Die Liberalen bemängelten, dass gebe es über die Kosten nur "vage Vermutungen" gebe. Als potenzielle Gefahr für die Bürgerrechte sahen sie einen unter sehr weiten Voraussetzungen skizzierten Auskunftsanspruch für private wie öffentliche Stellen gegen Dienstebetreiber zur Abfrage personenbezogener Nutzerdaten. (Stefan Krempl) / (ad)

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