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Technology Review

Pilottest mit autonomen Paketdrohnen im Werksverkehr

Erstmals liefern hierzulande vollautonome Drohnen in einem Praxisversuch Pakete ab – mit Segen der Behörden.

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Drohnen-Pilotversuch in Zürich

Als erster Drohnen-Anbieter in Deutschland hat EmQopter es geschafft, die strengen Auflagen der Behörden für einen vollständig autonomen Flug im urbanen Luftraum zu erfüllen. Das berichtet das Magazin Technology Review in seiner aktuellen Ausgabe 10/2018 (jetzt am Kiosk oder hier zu bestellen).

Zwischen den beiden Werken des Elektronikherstellers Jopp in Neustadt an der Saale müssen täglich Ersatzteile, Hauspost oder Essen hin- und hergeschickt werden. Die Strecke beträgt zwar lediglich 600 Meter Luftlinie, doch Ampeln und Staus verzögern den Transport auf der Straße regelmäßig, sodass Fahrer bis zu 15 Minuten für einen Weg brauchen. Deshalb hat diesen August eine Drohne des Würzburger Start-ups EmQopter einen Teil der Lieferungen in einem Pilotprojekt übernommen. Das Fluggerät kann bis zu zwei Kilogramm tragen, fliegt auf einer Höhe von 50 Metern und schafft die Strecke in einem Bruchteil der Zeit.

Die Drohne verfügt über ein ausgeklügeltes redundantes Sicherheitssystem und ist dank einer intelligenten Landevorrichtung in der Lage, ganz ohne zusätzliche Infrastruktur autonom überall zu landen, wo genügend Platz ist. Schwenkbare Abstandssensoren erfassen die Hindernisse unterhalb der Drohne. „Das ist eine absolute Neuheit, die wir zum Patent angemeldet haben“, sagt Marvin Bihl von EmQopter. „Damit können wir im Notfall überall landen – selbst dann, wenn die Kommunikation ausfällt.“

Nach den gegenwärtigen Sicherheitsbestimmungen muss zwar ein Drohnenpilot Ankunft und Abflug mit der Steuerung in der Hand überwachen, um notfalls eingreifen zu können. EmQopter plant jedoch, einen Fallschirm in seine Drohe einzubauen. „Dann erfüllen wir die höchste Gefahrenstufe und dürfen auch außerhalb der Sicht fliegen“, sagt Bihl. Laut Bihl hat EmQopter für die Zeit nach dem Pilotprojekt in Bad Neustadt bereits mehrere Kundenanfragen, unter anderem von Krankenhäusern, die Blutproben oder Medikamente transportieren möchten.

Biehl weiß zudem von Verhandlungen zwischen Behörden und Politikern, die den Drohnentransport weiter vereinfachen würden. Es geht um ein europäisches Air Traffic Management, vergleichbar mit den Towern an Flughäfen. Der Luftraum würde so überwacht, dass Drohnenrouten automatisiert angefragt und zugewiesen werden. Statt einem Leitstand pro Drohne könnte es eine Zentrale geben, die den gesamten Flugverkehr über einer Region koordiniert.

In Zürich kreisten bereits im Herbst 2017 Drohnen mit Kaffee oder Elektroartikeln mitten über dem Stadtgebiet. Sie gehörten zu einem Pilotversuch von Daimler, dem Online-Marktplatz siroop und dem US-Drohnenentwickler Matternet. Die Drohnen steuerten die Endkunden allerdings nicht direkt an, sondern flogen zu einem von zwei sogenannten "Rendezvous-Punkten“ im Stadtgebiet – speziell ausgestattete Vans mit Landeplattform. (Eva Wolfangel) / (grh)

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