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Technology Review

Pionier der Netzwerk-Theorie gestorben

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Wie erst jetzt bekannt wurde, ist der weltweit renommierte Informatik-Professor Carl Adam Petri am Freitag, den 02. Juli 2010, verstorben. Mit den nach ihm benannten Petri-Netzen erlangte der studierte Mathematiker akademischen Weltruhm. Dabei handelt es sich um eine Modellierungstechnik, die es erlaubt parallel ablaufende Prozesse in komplexen Systemen darzustellen und zu analysieren.

Petri gab damit Computerwissenschaftlern weltweit nicht nur das Handwerkszeug, um die Komplexität parallel ablaufender Rechenschritte und Teilprogramme besser zu erforschen, er schuf auch die Grundlagen, um verteilte Systeme, wie es das Internet oder jedes webbasierte Softwaresystem darstellt, zu koordinieren. Der dazu entwickelte Formalismus basiert auf einer grafischen Darstellung, die es sogar Nicht-Wissenschaftlern ermöglicht, komplexe Vorgänge zu verstehen. Seine Petri-Netze fanden daher auch in entfernten Gebieten wie der Ökonomie und der Biochemie ihre Anwendung.

Das theoretische Grundgerüst dazu beschrieb er bereits in seiner Dissertation "Kommunikation mit Automaten", die er im Juli 1962 an der Fakultät für Mathematik und Physik an der Technischen Universität Darmstadt erfolgreich verteidigte. Bereits zu einer Zeit, in der man noch überwiegend über Großrechner mit Lochkarten und das Automatisieren von Berechnungen nachdachte, hatte Petri damit schon Wichtigkeit von vernetzten Systemen erkannt.

Diese Weitsicht brachte ihm nicht nur den Ruf als Begründer der Netztheorie, die Erwähnung in tausenden von wissenschaftlichen Publikationen, sondern auch eine Vielzahl von Ehrungen ein. 1988 wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz erster Klasse ausgezeichnet, fünf Jahre darauf erhielt er die Konrad-Zuse-Medaille für besondere Verdienste in der Informatik und 1997 schließlich den Werner-von-Siemens-Ring für besondere Verdienste in Naturwissenschaft und Technik. Auf internationaler Ebene erhielt er noch vergangenes Jahr den Computer Pioneer Award der amerikanischen, weltweit vertretenen Ingenieursgesellschaft IEEE. Carl Adam Petri wurde 83 Jahre alt. (Gordon Bolduan) / (wst)

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