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Piraten-Sicherheitskonferenz: "Das Internet steht am Scheideweg"

Abseits der Münchner Sicherheitskonferenz luden europäische Piratenparteien zur alternativen Sicherheitskonferenz, um die Widerstandsfähigkeit von technischen und politischen Systemen zu diskutieren.

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Internet

In der Europäischen Union gilt ab 25. Mai die sogenannte Datenschutz-Grundverordnung, die den Schutz verbessern und vereinheitlichen soll.

(Bild: dpa, Arno Burgi)

Das in westlichen Demokratien geborene Internet stehe am Scheideweg, erklärte die Sicherheitsforscherin Chris Demchak vom US Naval War College den Piraten bei ihrer diesjährigen Sicherheitskonferenz in München. Das fest in die Wirtschaftsprozesse integrierte Netz habe unter anderem dazu geführt, dass 1 bis 2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Datenverluste einkalkuliert werden müssten. Militärisch gesehen erlaube das Internet billige, verdeckte und verschleierte Angriffe. Alle IT-Sicherheitsmaßnahmen reichten nicht aus, um die von Regierungen oder transnationalen kriminellen Akteuren gestarteten Cyberattacken vollständig abzuwehren.

In ihren Arbeiten bezeichnete die US-Amerikanerin schon seit längerem Stuxnet als Start einer neuen Art der Kriegsführung und gleichzeitig als den Beginn der Re-Nationalisierung des Netzes. Bei der großen Sicherheitskonferenz hatte sich der ehemalige NATO-Generalsekretär Anders Rasmussen um die Frage gedrückt, ob Stuxnet als militärischer Angriff zu werten sei: Die Stuxnet-Attacke gegen die Uranzentrifugen im Iran seien „wohl legitimiert gewesen“, sagte Rasmussen auf die Frage des US-Moderators.

Grenzzäune im Internet

Das Hochziehen von Grenzzäunen im Netz könnte die Folge sein. Perfekte Grenzstationen dafür gebe es dort, wo Seekabel anlanden oder Datenverkehr über zentralisierte und staatlich kontrollierte Kabel das Land verlässt. Der mit chinesischen Staatsmitteln geförderte Ausbau des 4G-Netzes in Afrika durch chinesische Telekommunikationsunternehmen ist in Demchaks Theorie damit ein geostrategischer Gebietsgewinn.

China ist für Demchak das Paradebeispiel für den fehlenden Automatismus von Internet und Demokratisierung. Autokratische Staaten seien aber nicht die einzigen, die Schlagbäume im Netz hochziehen. Demchak verwies hier auf die Inspektionsrechte, die sich Schwedens Geheimdienst schon vor zehn Jahren für den grenzüberschreitenden Datenverkehr hatte einräumen lassen. Ein freies Netz ist noch nicht ganz unmöglich, meinte sie. Die demokratische Welt samt ihrer Zivilgesellschaften müssten es dafür allerdings schaffen, zunächst einmal die Offenheit wenigstens im eigenen Territorium aufrecht zu erhalten – um dann die eigenen Spielregeln gegen Staaten wie China zu verteidigen. (odi)

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