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Piraten und Grüne: IT als Antwort auf die Geschlechterfrage?

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Nach der Debatte zwischen Piraten und der Linken haben jetzt Piraten und Grüne im Rahmen des neuen Streitwert-Forums der Heinrich-Böll-Stiftung versucht, Gemeinsamkeiten zu finden. Im Zentrum der Debatte stand die Gender-Frage und ob ihre Beantwortung durch Internet, Liquid Feedback oder eine Frauenquote möglich ist. In der Debatte kamen auf Seiten der Grünen Dimitra Kostimpas von der Grünen Jugend, Arbeitsgruppe "Geschlechter abschaffen", und Malte Spitz vom Bundesvorstand zum Einsatz; die Piraten waren durch ihren Vorsitzenden Bernd Schlömer und Julia Schramm aus dem Bundesvorstand vertreten.

Bernd Schlömer und Julia Schramm

(Bild: Detlef Borchers)

Schnell wurde deutlich, dass es bei den Grünen Verständnisprobleme gab, wenn die Piraten redeten: Trolle, Eichhörnchen, Meme und Superdelegierte waren Begriffe, die ihnen nichts sagten. Moderatorin Susanne Lang vom Freitag setzte darum eine erklärbärige Runde an, zu der auch Daniel Reichert, Vorsitzender von Liquid Democracy, hinzugezogen wurde. Er erklärte Liquid Feedback als besondere Chance für Frauen, ohne Rückfall in eine Frauenrolle an der Debatte teilzunehmen, meinte aber auch, dass eine Software allein kein Selbstläufer sein könne.

Julia Schramm ihrerseits lobte Liquid Feedback als trollfreie Zone im Netz, in der das bessere Argument gewinne. Sie erzählte die Geschichte einer älteren Piratenmutter, die sich ausdrücklich dafür bedankt habe, dass sie dank der Software in der Partei mitarbeiten könne. Den von Malte Spitz erhobenen Vorwurf eines speziellen Sexismus unter den Piraten ("Tittenbonus", "Muschi als Türöffner für Bundestagswahlplätze") quittierte sie mit der Hoffnung, die Piratenpartei könnte diese erbärmlichen Ausfälle ebenso loswerden wie sie die Waffenrechtler und andere Verirrte verabschiedet habe.

Dimitra Kostimpas und Malte Spitz

(Bild: Detlef Borchers)

Für die Grünen legte sich Dimitra Kostimpas ins Zeug und verteidigte die Position der Broschüre Fuck Gender - Be Yourself. Sie ließ allerdings keinen Zweifel daran, dass Frauen eine Quote brauchen, um in der Politik wie Wirtschaft angemessen vertreten zu sein. Auf der Gegenseite wurde deutlich, dass Quotendenken bei den Piraten derzeit absolut chancenlos ist und höchstens durch die überproportional vielen Frauen in der aktuellen Eintrittswelle an Unterstützung gewinnen kann. Der Vorschlag aus dem Publikum, die Piraten mögen zur anstehenden Bundestagswahl Männer und Frauen anteilig zur Bevölkerungsstatistik aufstellen, wurde als abwegig abgewiesen.

Aus dem Publikum kam außerdem die Frage, ob Non-Liner bei den Piraten eine Chance hätten. Sie wurde von Bernd Schlömer verneint. Die gesamte Parteiarbeit sei digital ausgelegt, auch wenn es dann und wann Treffen im Real Life gebe. Julia Schramm erzählte von nicht seltenen Fällen, in denen sich Neumitglieder zum Parteieintritt zünftig einen Laptop kaufen und von hilfsbereiten männlichen wie weiblichen Nerds in die Technik eingeführt würden. (mho)

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