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Plädoyer für anderen Umgang mit Konfliktmineralien

In einem offenen Brief kritisieren unter anderem Wissenschaftler den bisherigen Umgang der Hardware-Hersteller mit Erzen und anderen Rohstoffen aus dem Ost-Kongo: Der Bann nicht-zertifizierter Lieferanten bringe mehr Schaden als Nutzen.

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Bergbau in Afrika: Bild aus einem Video von Intel

(Bild: Intel)

Die Bilder von Männern, die im afrikanischen Kleinbergbau arbeiten, sind mittlerweile bekannt: Der nicht regulierte Abbau von wertvollen Mineralien im Ost-Kongo, so die gängige Einschätzung, fördere dort die anhaltenden Kriege. Deshalb sind mittlerweile in einigen Ländern wie in den USA (Dodd-Frank Act) Regelungen in Kraft getreten, die für "konfliktfreie" Rohstoffe und Erze sorgen sollen: Einige große Hersteller wie Apple und Intel verarbeiten nur noch Materialen von zertifizierten Produzenten.

Ein offener Brief (PDF-Datei), der unter anderem vom afrikanischen POLE-Institut erarbeitet wurde und von rund 70 Experten unterschrieben wurde, kritisiert die bisherigen Regelungen gegen Konflikt- oder "Blutmineralien". Derzeit hätten sie sogar eine gegenteilige Wirkung: Weil der Bann nicht-zertifizierter Rohstoffe die wirtschaftliche Existenz vieler Menschen gefährde, verstärke er die Krise im Ostkongo noch.

Die Bedeutung des "artisanalen Begbaus" für die Finanzierung von Milizen und Rebellen im Ost-Kongo wird laut den Kritikern überschätzt. Einige Regelungen für die Zertifizierung seien in der Region bisher praktisch nicht durchsetzbar, unter anderem weil die technische Infrastruktur dafür fehlt und auch die Machtstrukturen. Als pragmatische Lösung kämen längere Übergangsfristen in Frage.

Die derzeitige Regelung führe dazu, dass nur wenige Minen zertifiziert seien und selbst dort – als Beispiel wird die Zinnmine Kalimbi genannt – habe es bewaffnete Überfälle gegeben. Letztlich sinke die Nachfrage, die IT-Hersteller kauften anderswo ein; denn auch die Bedeutung der Rohstoffe aus Ost-Kongo für den Markt werde überschätzt.

Bisher hätten die zum Teil seit vier Jahren verschärften Regelungen gegen Blutmineralien jedenfalls die Intensität der Auseinandersetzungen im Gebiet der großen Seen nicht gemindert. Die Rebellengruppen weichen laut dem offenen Brief auf andere Geldquellen aus. (ciw)

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