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Armageddon: Forscher simulieren bevorstehenden Asteroideneinschlag

Auf einer NASA-Konferenz zur Asteroidenforschung spielen Experten die Entdeckung eines gefährlichen Asteroiden durch. Das Szenario wird im Netz begleitet.

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Der Einschlagskorridor in dem Szenario.

(Bild: 2019 PDC Exercise)

Die Europäische Weltraumagentur ESA will erstmals live im Internet berichten, wenn verschiedene Weltraumagenturen und Katastrophenhelfer das hypothetische Szenario eines drohenden Asteroiden-Einschlags durchspielen. Das Planspiel findet in der kommenden Woche im Rahmen der Planetary Defense Conference in der US-Hauptstadt Washington statt. Es handele sich um das weltweit wichtigste Treffen von Asteroidenexperten, erklärt die ESA. Durch das Durchspielen des fiktiven Szenarios wollen sie herausfinden, was im Falle eines drohenden Asteroideneinschlags zu erwarten ist.

Wie das für das Planspiel zuständige Center for Near Earth Object Studies der NASA ausführt, dreht sich das Szenario um den fiktiven Asteroiden 2019 PDC, der am 26. März 2019 "entdeckt" wurde. Im Verlauf der Übung ergeben erste Analysen, dass der Asteroid der Erde in acht Jahren gefährlich nahekommen könnte. Zum Beginn der Simulation steigt die Einschlagswahrscheinlichkeit auf ein Prozent – das ist die Marke, ab der die internationale Gemeinschaft Handlungsbedarf sieht. In dem Planspiel wird 2019 PDC voraussichtlich am 29. April 2027 einschlagen, ein schmaler Streifen um den Globus markiert die möglichen Einschlagsorte. Ausgehend davon soll der Rest dann auf der Konferenz durchgespielt werden.

"Zum Glück sind die Einschläge von mittelgroßen und großen Asteroiden sehr selten", erklärt Detlef Koschny von der ESA, der das Szenario mit ausgearbeitet hat. Deswegen gebe es aber auch sehr wenige Möglichkeiten, die Reaktion darauf zu üben. Die Übung biete nun die seltene Chance, solch ein Szenario in Echtzeit durchzuspielen. Alleine die NASA hat bereits sechs solcher Planspiele durchgeführt, mehrere davon mit der US-Koordinationsstelle für Katastrophenhilfe (FEMA), die auch jetzt wieder beteiligt ist. Die Beteiligten des Planspiels sollen mögliche Gegenmaßnahmen durchspielen, also etwa die Asteroidenabwehr oder -ablenkung, aber auch Vorbereitungen für den Einschlag üben.

Bei den früheren Übungen hat die NASA bereits erkannt, dass die Katastrophenhelfer nicht an wissenschaftlichen Daten eines Asteroiden interessiert sind, erklärt Leviticus Lewis von der FEMA. Stattdessen wollten die wissen, wann und wo ein Asteroid einschlagen wird und welche Folgen solch eine Katastrophe haben würde. Aber genau zur Beantwortung dieser Fragen sind die wissenschaftlichen Details maßgeblich, weswegen man daran arbeite, künftig noch genauere Daten liefern können. Die ESA etwa wirbt aus Anlass des Planspiels für ihr geplantes Teleskop Flyeye, das den Himmel automatisch nach Gefahren absuchen soll.

Wer sich für das Planspiel der Forscher interessiert, kann auf der zugehörigen Seite der NASA nicht nur das Ausgangsszenario nachlesen und Begleitmaterial herunterladen. An den Tagen der Konferenz soll jeweils der Stand nachgetragen werden. Die ESA will auf Twitter über die Entwicklungen informieren und hat außerdem einen eigenen Blog dafür eingerichtet. (mho)