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Playstation Experience (PSX) 2017: Prey, 360-Grad-Filme und Controller-Experimente

Der Ego-Shooter Prey war der Headliner der Playstation Experience (PSX) 2017. Auch der Blick auf kleinere Stände lohnte sich aber: Hier bewiesen deutsche Entwicklerstudios, dass Strategie-Spiele und Adventures nicht nur auf dem PC funktionieren.

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Die Uniform am Körper, das eiserne Handwerksutensil in der rechten Pranke und sprunghafte, vierbeinige Spinnenviecher im Gesicht: Vergleiche zwischen Prey und Half-Life sind nicht originell, passen aber wie die Faust aufs Auge. Auf der Playstation Experience 2017 im Münchner Postpalast war der Ego-Shooter von Bethesda und Arkane Studios (Dishonored) der Star der Show: Gleich an sechs Plätzen können eingeladene Journalisten, Youtuber und Community-Mitglieder Prey ausprobieren. Auf dem Event in München rührte Sony am Mittwoch die Werbetrommel für kommende Playstation-4-Spiele, Fotografieren und Filmen ausdrücklich erwünscht.

Nicht alle hier gezeigten Titel erscheinen exklusiv für die Playstation 4, viele werden zumindest auch auf dem PC verfügbar sein, Prey kommt sogar auf die Xbox One. Sony hofft offenbar darauf, dass man die ersten Spieleindrücke mit der Playstation verbindet, auch wenn der Ego-Shooter auf dem Experience-Event auf gut getarnten Rechnern gespielt wurde.

Die Hauptsache ist wohl, dass man einen Dualshock-Controller in der Hand hält, während man durch das atmosphärische Tutorial geführt wird: Herren und Damen in weißem Kittel fordern den Spieler dazu auf, eine Reihe von Testlabors zu durchlaufen, in denen er sich verstecken oder über ein Hindernis kraxeln muss. Auch ein paar ethische Zwickmühlen werden dem Spieler an den Kopf geworfen. Prey ist kein stumpfes Geballer, soll das wohl zeigen. Abwarten. In den ersten Spielminuten nach dem Tutorial, das die freundlichen Verhaltensforscher tragischerweise mit dem Leben bezahlen, liefert Prey zumindest gleich mehrere einprägsame Überraschungsmomente. Gerne mehr davon.

Im Vergleich zu Prey fallen die anderen im großen Rund vertretenen Spiele im Hinblick auf Blockbuster-Potenzial etwas ab. Das soll nicht heißen, dass es sonst nichts Sehens- oder Spielenswertes gab: Das deutsche Entwicklerstudio Fizbin zeigte The Inner World: Der letzte Windmönch. Der Vorgänger, der 2013 für den PC erschien und erst vor wenigen Tagen auf PS4 und Xbox One portiert wurde, ist ein wundervolles Adventure-Spiel voller Witz und Wehmut. Teil zwei scheint genau da weiterzumachen: Die hübsch gezeichneten Hintergründe machen Lust auf wildes Geklicke. Dabei wird auf der PS4 ja gar nicht geklickt: Um auf Konsole einen Gegenstand auszuwählen, muss man sich vorher per Knopfdruck durch die verfügbaren Hotspots wählen. Das ist etwas umständlich und macht die für viele spaßige Suche nach interaktiven Objekten hinfällig. Point-and-Click-Fans alter Schule bleiben also lieber auf dem PC, spielbar ist The Inner World 2 auf der PS4 aber auf jeden Fall.

Es ist gut zu sehen, dass solche traditionell auf Playstation und Xbox unterrepräsentierten Genres neue Gehversuche auf Spielekonsolen wagen. Ein weiteres Beispiel konnte man am Kalypso-Stand ausprobieren. Sudden Strike 4 ist ein Taktik-Spiel, das im Zweiten Weltkrieg verortet ist. Der Spieler bekommt zu Missionsbeginn einen vorgefertigten Haufen an Einheiten zur Verfügung gestellt, mit denen er Aufträge erfüllen muss. Solche RTS-Spiele lassen sich hervorragend mit der Maus steuern, das Gamepad ist für Einheitenbefehle aus der Vogelperspektive aber weniger geeignet.

Eindrücke der Playstation Experience 2017 (10 Bilder)

Farpoint

Im Ego-Shooter Farpoint schießt und läuft man mit dem speziellen Aim-Controller. Das macht mehr Laune als mit dem Dualshock, das Spiel selbst hinterließ beim kurzen Anspielen aber eher einen faden Eindruck.
(Bild: heise online)

Kalypso hat daher mit verschiedenen Kontrollschemata herumprobiert, bis schließlich der beste Weg gefunden wurde, um Sudden Strike 4 auch auf der PS4 spielbar zu machen. Per Druck auf "X“ wählt man eine Einheit aus, hält man den Knopf gedrückt, spannt sich ein Kreis zur Auswahl mehrerer Soldaten oder Vehikel auf. Ein Doppeldruck wählt alle Einheiten des anvisierten Typs aus, mit den Schultertasten wechselt man zwischen einzelnen Kämpfern hin und her. Der Kalypso-Profi vor Ort konnte seine Streitmacht so tatsächlich zügig und präzise kontrollieren, etwas Einarbeitungszeit dürfte das aber schon in Anspruch nehmen.

Auf einer Playstation-Veranstaltung dürfen PSVR-Spielereien natürlich nicht fehlen. Im VR-Shooter Farpoint schießt man mit dem speziellen Aim-Controller durch die Gegend, der später noch weitere Spiele unterstützen soll. Das Ballern mit dem sturmwaffenförmigen Aim-Controller macht viel mehr Spaß als die klassische Dualshock-Variante. Vor allem die Shotgun macht richtig Laune – vielleicht weil man nicht so genau zielen muss.

Sony experimentiert außerdem mit 360-Grad-Filmchen, die auf der Playstation Experience unter dem Namen "Playstation VR Adventures“ firmierten. Mit der VR-Brille auf dem Kopf genießt man den Rundumblick aus den Helmkameras einer Gruppe von Snowboardern, die von Sony ganz effizient noch als Laiendarsteller ("Yeah! Let’s go!“) zweitverwertet wurden. So brettert man bequem auf dem Stuhl sitzend steile Berghänge herunter und bewundert waghalsige Stunts, die effekthascherisch mit Zeitlupen und fetziger Musik versehen wurden. Das ist soweit ganz witzig. Blöd nur, dass zu jeder Zeit sehr deutlich ein diagonales Tearing zu erkennen ist, wo die Einzelaufnahmen der 360-Grad-Kameras zusammengeführt wurden.

"Mega!“, brüllt am Ende des zwei- bis dreiminütigen Pistenritts eine etwas übermotivierte Snowboarderin in die viel zu lauten Kopfhörer. Die VR-Adventures befinden sich noch in der Testphase, das Standpersonal wünscht sich im Anschluss an das Abenteuer Feedback und Ideen für mögliche Settings. Der bisherige Favorit der Teilnehmer: Ein Unterwasser-Szenario. Gute Idee, zumal den Probanden dort das Sprechen erspart bliebe.

Neuankündigungen oder Überraschungen gab es auf der Playstation Experience 2017 erwartungsgemäß nicht. Richtige Paukenschläge sind erst wieder in zwei Monaten auf der E3 zu erwarten. (dahe)