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Pluto müsste ein Planet sein: Studie sammelt Argumente gegen IAU-Definition

Seit 12 Jahren ist Pluto kein Planet mehr: Kritiker an der Herabstufung zum Zwergplaneten hätten die Fachliteratur auf ihrer Seite, haben Forscher ermittelt.

Pluto müsste ein Planet sein: Studie sammelt Kritik an IAU-Definition

New Horizons hat die Vielfältigkeit des Pluto enthüllt.

(Bild: NASA/JHUAPL/SWRI)

Eine Gruppe von Wissenschaftlern will die Debatte über den Status des Zwergplaneten Pluto wieder anfachen und dafür sorgen, dass er doch wieder zum Planeten erklärt wird. Laut einer Analyse der Forscher der University of Central Florida wurde in den vergangenen 200 Jahren lediglich eine wissenschaftliche Arbeit veröffentlicht, die das zentrale Argument der 2006 beschlossenen neuen Definition von Planeten benutzt – und dieser Text sei sogar entkräftet. Gleichzeitig habe man eine Liste mit mehr als 100 aktuellen Beispielen, in denen Planetenwissenschaftler den Begriff "Planet" so benutzen, dass er gegen die geltende Definition verstößt – einfach, weil die ihnen nicht hilft.

Im August 2006 hatte die Internationale Astronomische Union (IAU) nach einer hitzigen Debatte eine neue Definition für Planeten eingeführt, nach der der Pluto keiner ist. Seitdem gibt es offiziell acht Planeten im Sonnensystem und mehrere Zwergplaneten, darunter der Pluto. Schon damals hatte es heftige Kritik daran gegeben, vor allem an dem zentralen Teil, ein Planet müsse seine Umlaufbahn vollständig gesäubert haben. Das sei auch beim Mars, dem Jupiter, dem Neptun und sogar der Erde nicht der Fall, denn auf deren Umlaufbahn kreisen Zehntausende Asteroiden. Zu den lautesten Kritikern gehörte damals Alan Stern, der Leiter der Pluto-Mission New Horizons. Er ist auch an der aktuellen Studie beteiligt.

Die Autoren der Studie, die nun im Fachmagazin Icarus veröffentlicht wurde, argumentieren nun erneut, dass die Voraussetzung der gesäuberten Umlaufbahn nicht dafür genutzt werde, um Planeten von Asteroiden zu unterscheiden. Die Definition eines Planeten sollte nicht von äußeren Faktoren abhängen, die sich fortwährend ändern würden. Stattdessen schlagen sie vor, intrinsische Faktoren heranzuziehen. Kurz gesagt: Himmelskörper wären dann Planeten, wenn sie groß genug sind, dass ihre Gravitation stark genug ist, um sie abzurunden.

Das sei keine beliebige Definition, denn sie enthalte einen wichtigen Schritt bei der Planetenwerdung. Denn damit würde auch eine aktive Geologie aktiviert, die etwa beim Pluto dafür sorge, dass dort ein Ozean unter der Oberfläche existiert, eine mehrschichtige Atmosphäre, organische Komponenten sowie Hinweise auf frühere Seen und mehrere Monde. Pluto "ist dynamischer und aktiver als der Mars", ergänzt der Studienautor Philip Metzger: "Der einzige Planet mit einer noch komplexeren Geologie ist die Erde."

Die Debatte um den Status des Pluto war nie wirklich beendet, aber als New Horizons im Sommer 2015 als erste Sonde überhaupt an dem Himmelskörper vorbeigeflogen ist, flammte sie wieder auf. Die Daten der Sonde haben eine überraschend komplexe Welt enthüllt, die wohl noch einige Überraschungen bereithält. Vor allem Alan Stern setzt sich auch deswegen lautstark dafür ein, den Zwergplaneten wieder zum Planeten zu machen. Vergangenes Jahr hatte er mit mehreren Kollegen eine neue Planetendefinition vorgeschlagen, die nicht nur Pluto sondern mehr als 100 andere Himmelskörper im Sonnensystem zu Planeten machen würde. Auch sie bezieht sich mehr auf Eigenschaften der Himmelskörper selbst. (mho)

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