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Pokémon Go: 2. Generation, Geschlechter & neue Beeren

Das Smartphone-Spiel Pokémon Go mutiert weiter: In der Nacht auf Freitag wurde die zweite Monster-Generation freigeschaltet. Auch sonst haben die Entwickler das Spiel überarbeitet, um für mehr Abwechslung zu sorgen.

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In den vergangenen Monaten mussten die Macher des Monsterfangspiels Pokémon Go immer wieder Events nachlegen, um die nach der Hype-Welle des vergangenen Sommers übriggebliebenen Spieler bei Laune zu halten – zuletzt ein einwöchiges "Valentine's-Day"-Event mit lauter pinken Pokémon.

Huch ... ein neues Pokémon in freier Wildbahn? Niantic lässt neue Monster von der Leine.

Jetzt soll es wieder aufwärts gehen: Am gestrigen Donnerstag kündigte Entwickler Niantic im offiziellen Pokémon-Go-Blog an, dass Ende der Woche über 80 zusätzliche Pokémon zum Fang freigegeben werden – unter Kennern der Ur-Spiele als "2. Generation" bekannt. In Deutschland war es in der Nacht auf Freitag so weit. Parallel dazu bieten die App-Stores neue Releases des Free2Play-Spiels an: Version 0.57.2 für Android im Play Store und 1.27.2 für iOS im App Store.

Einige der neuen Monster hatte Niantic schon Mitte Dezember 2016 freigegeben: Das waren aber nur sieben Baby-Pokémon, die zudem nur aus Eiern schlüpften, sich aber nicht wild fangen ließen. Jetzt gibt es hingegen die volle Dröhnung mit allen Monstern der zweiten Generation – und das, obwohl die "Legendary Pokémon" der ersten Generation immer noch auf sich warten lassen.

Diverse Monstertypen der ersten Generation lassen sich direkt zu Monstern der zweiten Generation entwickeln. In einigen Fällen braucht man hierfür zusätzliche Spezial-Items – damit sich etwa Porygon zu Porygon2 mausern kann, benötigt es ein Upgrade-Item. Auch Blubella, Laschoking, Quaxo, Scherox, Seedraking, Sonnflora und Stahlos (nein, ich sauge mir diese Namen wirklich nicht aus den Fingern) lassen sich nur mit Spezial-Items entwickeln. Mutmaßlich wird man die Items von Pokéstops erhalten.

Darüber hinaus wurde am Grundprinzip des Spiels gefeilt, dem Fangen der putzigen Monster. So werfen Pokéstops künftig zwei weitere Beerentypen ab. Die bisherigen "Himmihbeeren" dienen nach wie vor zum Zähmen wilder Pokémon; die neuen "Nanabbeeren" verlangsamen die Ausweichmanöver eines Monsters und die "Sananabeere" verdoppelt die Anzahl der Bonbons, mit denen das Spiel einen erfolgreichen Fang belohnt. Hat man ein Pokémon mit einer Beere gefüttert, wird das im Fangbildschirm unter dem Monsternamen angezeigt.

Um die Auswahl der Beeren und Pokébälle zu erleichtern, hat Niantic den Fangbildschirm überarbeitet: Am unteren Bildschirmrand sieht man jetzt links eine Beere, rechts einen Pokéball. Tippt man auf eines dieser Icons, klappt eine Leiste auf, aus der man einen Beeren- beziehungsweise Balltyp auswählen kann. Niantic nennt das "Itemkaruselle". Eine Wischgeste in die jeweilige Richtung schließt die Leiste wieder – Android-Spieler können auch den systemweiten Zurück-Button nehmen. Das Kamera-Icon ist in die Mitte oben gewandert.

Pokémon Go: Der neue Fangbildschirm (9 Bilder)

Im Fangbildschirm gelangt man jetzt über zwei Icons unten direkt zu den Beeren und zur Ballauswahl.

Im Zuge der Änderungen hat sich auch das Verhalten der Bälle verändert: Kräftig geworfene Pokébälle fliegen jetzt deutlich weiter als zuvor. Erfahrene Spieler müssen sich anpassen: Vormals erprobte Curveball-Wurfmethoden führen jetzt dazu, dass die Bälle weit über das Ziel hinausschießen. Wilde Pokémon kontern Fangversuche jetzt mit neuen Animationen – Ledyba sirrt beispielsweise quer über den ganzen Bildschirm, um Bällen auszuweichen; Quiekel schliddert zur Seite weg.

Die zweite Pokémon-Generation führt auch Geschlechter ein. Wer in den vergangenen Wochen aufgepasst hat, wird davon nicht sonderlich überrascht sein: Vor einem Monat hatten plötzlich zahlreiche Pikachu und Raichu spontan das Geschlecht gewechselt – bei Pikachu zu erkennen an einer Kerbe im Schwanz, bei Raichu an einer abgeflachten Schwanzspitze und gekräuselten Ohren. Nach 24 Stunden waren alle Pokémon plötzlich wieder männlich.

Jetzt zeigt der Detailbildschirm jedes gefangenen Pokémon an, welchem Geschlecht es angehört. Hierfür steht rechts neben dem Gesundheitsbalken ein ♀- oder ♂-Symbol. Nidoran♀ und Nidoran♂ sowie deren Weiterentwicklungen behalten nach der Umstellung ihr Geschlecht – bei fast allen anderen in der Vergangenheit gefangenen Pokémon sind Überraschungen möglich.

Wer durch seine Pokémon-Box wischt, mag diverse Aha-Momente erleben: "Das" 100-prozentige Glurak entpuppt sich plötzlich als Weibchen und die ehemals als Unisex angesehene Rattikarl-Armee ist in Wirklichkeit ein wild gemischter Haufen. Spoiler: Ditto ist ein Neutrum. #genderfluid

Fürs erste scheinen die Geschlechter keine weiteren Auswirkungen auf das Spielverhalten zu haben. Ersten Beobachtungen zufolge bleibt das Geschlecht nach einer Entwicklung unverändert – es werden also nur die Movesets neu gewürfelt. Drollig wirkt es, wenn sich der Machomei mit seinen betont maskulinen Torso als Mädchen entpuppt. Optische Differenzen gibt es nur bei ausgewählten Monstern, und auch da sind die Unterschiede meist minimal. Die Teamleiter beschreiben bei ihren Bewertungen übrigens auch bei weiblichen Pokémon weiterhin "seine" Eigenschaften.

Pokémon Go: Gender Studies (4 Bilder)

Ein weibliches Taubsi. Auf dem Entwickeln-Button prangt jetzt die Kontur der nächsten Entwicklungsstufe.

Erwischt man ein Pokémon mit dem ersten Ball, bekommt man einen Bonus.

Auch sonst gibt es wieder diverse Änderungen im Detail. So lässt sich das Outfit der eigenen Spielfigur jetzt weitergehend anpassen als zuvor: Zur Auswahl stehen unter anderem neue Hüte, Hemden und Hosen – allerdings nur gegen Bezahlung. Nachts spielt das Spiel jetzt andere Hintergrundmusik als tagsüber. Das Fangen von Pokémon höherer Entwicklungsstufen wird jetzt mit Bonus-Bonbons belohnt; einen Fang mit dem ersten Wurf honoriert das Spiel mit 50 zusätzlichen Erfahrungspunkten.

Und natürlich, wie bei jedem Update: "Kleinere Textkorrekturen." So zeigt der Detailbildschirm für entwicklungsfähige Pokémon auf dem Entwickeln-Button jetzt die Kontur der nächsten Entwicklungsstufe. Im deutschen Spiel rutscht der Text "Entwickeln" dadurch fast aus der Schaltfläche. Beim Evoli steht an der Stelle des Schattens übrigens ein Fragezeichen – mit Freischalten der zweiten Generation kann es sich auch zu einem/einer Nachtara oder einem/einer Psiana entwickeln. (P.S.: Wer die Sache forcieren will, tauft ein Evoli vor der Entwicklung "Sakura", ein anderes dann "Tamao". Gern geschehen.)

Pokémon Go mag mittlerweile aus den Top-Games-Listen verschwunden sein, beschert seinen Machern aber offenbar immer noch ausreichend Geld. Das liegt nicht zuletzt daran, dass Spieler ab einer bestimmten Stufe nicht mehr ohne Investitionen weiterkommen: Insbesondere die Pokémon-Box und der Item-Beutel platzen schnell aus allen Nähten. Um die gelaufenen Kilometer optimal zu nutzen, brüten Power-Gamer die eingesammelten Eier gern parallel in mehreren Brutmaschinen – auch die sind nicht umsonst.

Die benötigten Coins kann man sich entweder durch Arenakämpfe sauer verdienen oder im Shop gegen echtes Geld erkaufen. Dort bekommt man auch Pokéball-Notrationen, wenn einem beim Fangmarathon die Bälle ausgehen – so blenden die Auswahlleisten für Bälle und Beeren jetzt hinterhältigerweise auch ein Einkaufstüten-Icon ein, das direkt zum In-Game-Shop führt.

Immerhin ist Niantic nicht komplett herzlos: Vom 16. bis zum 28. Februar kosten Upgrades für die Pokémon-Aufbewahrungsbox nur die Hälfte, also 100 statt 200 Coins. Da man pro 21-Stunden-Zyklus maximal 100 Coins verdienen kann, ist die dahinterstehende Botschaft relativ klar: Kauft Coins. Jetzt. Free2Play bedeutet letztlich halt doch Pay2win.

Pokémon Go: Monster der 2. Generation (11 Bilder)

Das Wiesor ist ein Späher, der nur im Kreise seiner Artgenossen schlafen kann.

(ghi)