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Pokémon Go: Nachtaktion in Hannover zog 1000 Spieler an

Die erste öffentliche Pokémon-Go-Massennachtwanderung fand am gestrigen Freitagabend mit rund 1000 Teilnehmern in Hannover statt. Den Schauplatz bildeten die bei Spielern mittlerweile wohlbekannten Jagdgründe rund um den Maschsee.

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Nächtliche Jagd

(Bild: dpa)

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Viele Hunderte erleuchteter Mini-Bildschirme und angestrengt darauf blickende Leute, die sich in Pulks durchs nächtliche Hannover schieben: Das war in den Augen nüchterner Außenstehender die "1. Pokémon-Go-Nachtwanderung" am gestrigen späten Freitagabend. Diejenigen jedoch, die vom Fieber um Nintendos Free-to-Play-Handyspiel ergriffen sind, sehen ein solches Event anders: gemeinschaftliches Sammeln jagdwürdiger Wasser-, Elektro-, Boden- oder Flugwesen des riesigen Pokémon-Figurenbestands, außerdem Installation von Lockmodulen. Und – nicht zu vergessen – das Kennenlernen neuer Leute. Der 25-jährige Teilnehmer René, der bereits den ganzen Freitag über mit seinen zwei Söhnen gemeinsam Pokémons gejagt hatte, nannte als Ziel der Sache, "andere Verrückte wie mich zu treffen".

Aufgerufen hatte ein Team um den Hannoveraner Nikita Klein per Facebook. Als Vorbild diente ihnen der Aufruf zu einer "Pokémon-Jagd" in Berlin, den sie ebenfalls auf Facebook gefunden hatten.

Der nächtliche Maschsee ist als Pokémon-Jagdrevier deutlich idyllischer und entschieden weniger gefährlich ...

Um 20 Uhr begann das Ganze, indem Spieler und andere Interessierte an der Kröpcke-Uhr eintrudelten, einem der traditionellen Treffpunkte in der niedersächsischen Landeshauptstadt. Rund eine Viertelstunde später begann der schubweise Marsch Richtung Süden. Im Vorfeld waren Gruppenleiter bestimmt worden, um jeweils Teams von maximal 60 Leuten zu den Jagdgründen um den Maschsee zu führen. Viele der Spieler klagten über zeitweilige Ausfälle im Mobilfunknetz – kein Wunder bei rund 1000 Leuten, die sich mit Datenzugriffen im Bereich nur weniger Funkzellen konzentrierten. Die ganze Aktion war auf fünf Stunden angelegt und sollte um 1 Uhr enden, wobei um 23:30 Uhr ein Abschiedstreffen der Gruppen am Maschsee angesetzt war. Die Sache dauerte dann doch länger als geplant, denn viele wollten gern noch ein Weilchen weiter miteinander reden und Pokémon-Jägerlatein austauschen. Die Gesamtstrecke einschließlich einer Runde um den Maschsee hatte eine Länge von neun Kilometern – ein ungewöhnliches Pensum für eine spielerische Nachtaktion. Der Wunsch der Veranstalter auf ein friedliches Event ohne Randale wurde erfüllt; die hannoversche Polizei brauchte sich um die Monstersammler nicht zu kümmern. Die Einteilung in Gruppen war extra zu dem Zweck erfolgt, die städtische Genehmigungspflicht für größere Versammlungen zu umgehen.

... als der NATO-Truppenübungsplatz Bergen-Hohne in der Heide.

(Bild: Google Maps)

Dass ein Mobilspiel-Phänomen wie Pokémon Go bei unterschiedlichen Leuten auch eigenartige Blüten treiben kann, zeigt eine andere Meldung, die heute früh durch die Tagespresse ging und zumindest mit der weiteren Umgebung Hannovers zu tun hat: Genauer gesagt geht es um den NATO-Schießplatz Bergen-Hohne in der Lüneburger Heide. Hier haben sich drei Pokémon-Go-Spieler in große Gefahr gebracht. Ein Wachdienst erwischte das Trio, das beim Umhergehen konzentriert auf die Displays seiner Handys blickte, auf dem Übungsplatz, während dort mit scharfer Munition geschossen wurde. Um das vermeintlich günstige Jagdrevier im militärischen Sperrgebiet zu erreichen, hatten die Spieler eine geschlossene Schranke überwunden, außerdem Warnschilder und eine rote Flagge ignoriert, die auf laufende Schießübungen hinweist.
(psz)