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Pokémon Let's Go Pikachu: Nette Neuauflage mit Altlasten

Im Quasi-Remake des Gameboy-Klassikers Pokémon Gelb fängt der Spieler die niedlichen Taschenmonster jetzt auch auf der Switch.

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Pokémon Let's Go Pikachu: Sympathische Neuauflage mit enttäuschenden Altlasten

(Bild: Nintendo)

Seit 1996 sind die Pokémon heimisch auf mobilen Geräten, seit 2016 auch auf Smartphones. Im Augmented-Reality-Phänomen „Pokémon Go“ liefen Millionen Menschen weltweit durch ihre Heimatstädte, um die putzigen Wesen mittels Smartphone-Kamera zu fangen. In „Pokémon: Let's Go Pikachu!“ und „Let's Go, Evoli!“ kehrt die Pokémon-Reihe nun auf der Nintendo Switch zu ihren spielerischen Wurzeln zurück – die Let's-Go-Spiele sind überarbeitete Fassungen der Gelben Edition.

In den ersten Spielminuten definiert der Spieler also seine Figur, quatscht mit Doktor Eich und stöbert im Gebüsch nach Minimonstern. Zuvor erhält er sein Lieblingspokémon, je nach gewählter Spielversion entweder ein Pikachu oder ein Evoli.

Die Spielfigur läuft danach ganz klassisch durch die Ortschaften und Wälder, wo sie auf Pokémon und Trainer stößt. Wer mit der Serie vertraut ist, wird sich zunächst über die farbenprächtige und detaillierte Kulisse freuen, die auf der Switch famos zur Geltung kommt. Im Gras sieht man Raupy und Kokuna umherwuseln, die Taubsy-Pokémon flattern über größere Terrains.

Pokémon Let's Go! (14 Bilder)

Pikachu und die Spielfigur finden sofort Gefallen aneinander.
(Bild: heise online)

Kommt es zur Begegnung, wechselt das Spiel wie gehabt von der Echtzeit- in die Rundenansicht. Hier wirft man seinen Pokéball wie in „Pokemon Go“ im richtigen Moment auf das Tierchen. Alle gefangenen Pokémon kommen in die „Pokémon-Box“ und stehen für künftige Duelle auf Abruf.

Die Optimierung der Pokémon mit Spezialfähigkeiten und Angriffstypen macht immer noch ähnlich großen Spaß wie in „erwachsenen“ Rollenspielen à la Divinity: Original Sin 2. Pokémon: Let's Go Pikachu! ist kein Spaziergang für Kleinkinder; Trainieren und Taktieren sind wesentliche Bestandteile des Spiels, was die Langzeitmotivation deutlich erhöht. Online-Duelle sind leider nur gegen Freunde möglich, da eine echte Online-Lobby fehlt. Kennt man keinen Switch-Besitzer mit „Pokémon: Let's Go Pikachu!“, muss man sich also aufs Offline-Solo-Spielen beschränken, das ist schade.

Die mittlerweile recht altbackene Story ist erträglich, da die Dialoge kurz gehalten sind und man nie gezwungen wird, bestimmte Quests zu erledigen. Leider haben sich die Entwickler kaum Mühe bei der Gestaltung der Nebenfiguren gegeben. Die anfänglichen Trainer, heißen sie „Göre Marina“ oder „Göre Ines“, sehen immer noch exakt gleich aus. Sprachausgabe gibt es auch wieder nicht, nur der auf der Schulter der Spielfigur sitzende Pikachu jauchzt und kiekst. Hier haben die Entwickler Potenzial verschenkt, die Pokémon-Spiele wirklich in die Gegenwart zu holen.

Neu ist immerhin die Möglichkeit, seinen Pokémon-Sidekick zu streicheln, ähnlich wie die Welpen in Nintendogs. Die Bewegungssteuerung läuft allerdings nicht ganz rund – und der Touchscreen der Switch wird gar nicht unterstützt. Das nervt nicht nur beim Pokémon-Streicheln, sondern auch beim Fangen:
Man muss den Pokéball wie in „Pokemon Go“ im richtigen Moment auf das Tierchen werfen.

Einfacher geht das vielleicht mit dem speziellen Pokéball-Controller, den Nintendo als Ersatz zum JoyCon verkauft. Leider stand uns dieser Pokéball zum Test nicht zur Verfügung. Am liebsten spielten wir „Pokémon: Let's Go Pikachu!“ daher im Handheld-Modus, denn hier gelingt das Fangen zuverlässig.

Trotz der uninspirierten Story, dem schwachen Online-Modus und den lahmen Dialogen mit 08/15-Nebenfiguren macht die Minimonsterjagd in Pokémon: Let's Go genauso Spaß wie in den Pokémon-Klassikern. Auch wenn Nintendo Chancen liegen lässt: An dieser Pokémon-Version werden nicht nur Nostalgiker Spaß haben.

Die beiden Pokémon-Titel „Let's Go Pikachu! (ab 41,46 €)“ und „Let's Go, Evoli! (ab 39,99 €)“ sind frei ab 0 Jahren. Die Download-Version belegt etwa 4,1 GByte im Switch-Speicher. Für dieses „Angespielt“ haben wir „Pokémon: Let's Go Pikachu!“ rund vier Stunden lang gespielt. (dahe)