Menü

Pokern gegen KI: Profis spielen im Januar gegen Libratus

Künstliche Intelligenzen haben bereits Profispieler in Go und Schach bezwungen. Nun wagen sich die die Entwickler der KI Libratus an Texas Hold'em. Am 11. Januar startet das erste Turnier gegen Profispieler in Pennsylvania.

Lesezeit: 2 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 52 Beiträge

(Bild: dpa, Peter Steffen/Archiv)

Von

Im Poker kommt es darauf an, das eigene Blatt einschätzen zu können. Welche Karten an die Mitspieler ausgegeben werden, kann am Tisch keinem fairen Spieler bewusst sein. Damit verringert sich die Chance, die nächsten Züge bis auf die Blind-Bedienung vorhersehen zu können. Die Künstliche Intelligenz Libratus soll trotzdem aufgrund ihrer Berechnungen gegen menschliche Profispieler gewinnen. Entwickelt wird Libratus von der Carnegie Mellon-Universität (CMU) in Pittsburgh, Pennsylvania.

Ein Live-Experiment in Form eines 20-tägigen Heads-Up No-Limit Texas Hold'em-Turniers im Rivers Casino in Pittsburgh gegen die vier Weltranglistenspieler Jason Les, Dong Kim, Daniel McAuley und Jimmy Chou startet am 11. Januar 2017. 200.000 US-Dollar winken dem Gewinner, das Turnier wird laut dem US-amerikanischen Technikportal The Verge auf Twitch übertragen.

Sowohl im Schach als auch bei Go müssen mehrere Stränge von Zügen von der KI berechnet werden, je nach Verhalten des menschlichen Gegners passt sie die Wahrscheinlichkeiten weiterer Züge an. Im Poker ist dies nicht möglich, solange nicht alle 52 Karten ausgegeben werden – was aber allein aufgrund der "Burn Card"-Regelung schon nicht möglich ist, diese Karte verbleibt beim Dealer. Im Texas Hold'em-Spiel muss Libratus das Gleichgewicht zwischen Risiko und Gewinn zum Gegenstand nehmen, um zu gewinnen. Die Entwickler der KI orientieren sich am Nash-Gleichgewicht, um ihre KI zu stärken.

Das Nash-Gleichgewicht gehört zu den mathematischen Spieltheorien und beschreibt die Strategie, in nicht-kooperativen Spielen die Strategie zu finden, welche Gegenspieler weitgehend daran hindert, ihre eigenen Strategien im Laufe des Spiels zu ändern. Der Spieler, in diesem Fall die KI, geht von allen möglichen Kombinationen aus, die für jeden der Mitspieler eine Strategie darstellen könnten. Solange kein Anreiz beim Gegenspieler aufkommt, die anfangs gewählte Strategie zu ändern, bleibt dieser im eigens gewählten Spielmodus. Im Film "A Beautiful Mind" findet man eine anschauliche Erklärung der Theorie, welche John Nash 1994 einen Nobelpreis einbrachte.

Gegen eine Maschine anzutreten, die Strategien im Gleichgewicht hält und auch bei absichtlicher Änderung neu berechnet, was der menschliche Gegenspieler zu tun gedenkt, soll nicht gerade ein Zuckerschlecken sein. "Ich beschreibe Leuten die Erfahrung immer mit einem einzigen Wort: eine Schinderei", sagte der professionelle Pokerspieler Jason Les gegenüber The Verge. Les gehört zu den vier Profispielern, die in der Testphase gegen die vorherige KI der CMU antraten. Ab dem 11. Januar 2017 sitzt er auch Libratus, der zweiten KI aus dem Forschungsprojekt, am Spieltisch gegenüber.

Die Algorithmen von Libratus sollen nur mit den Regeln des Spiels ausgestattet sein, aber nicht mit dem Wissen über aktuell verbreitete Spielstile unter Pokerspielern, sagte der Projektleiter Professor Tuomas Sandholm im Gespräch mit The Verge. Damit seien die Züge für menschliche Gegenspieler nicht einfach vorherzusehen, da menschliche Spieler von gewohnten Stilen im Umgang mit den Karten ausgingen.

Fraglich ist, ob der Mensch auch beim Pokern von einer KI geschlagen werden kann. Im Schach hat der Mensch schon vor knapp 20 Jahren gegen eine Maschine verloren, im 3000 Jahre alten Spiel Go besiegte eine KI im März 2016 einen menschlichen Champion: So schlug die KI AlphaGo, entwickelt von Google DeepMind, den südkoreanischen Go-Profispieler Lee Sedol mit vier Siegen in fünf gespielten Partien. Im Schach konnte bereits 1997 Garri Kasparow, achtmaliger Schachweltmeister, IBMs KI Deep Blue nicht bezwingen.

Die KIs der Entwicklergruppe sollen aber nicht nur zu Poker-Zwecken genutzt werden. Sandholm sieht darin Potenziale für komplexe Auktionen, in welchen Firmen und private Bieter darauf angewiesen sind, ihre möglichen Gewinne oder Verluste im Vorhinein einschätzen zu können. Auch in der medizinischen Forschung solle seiner Meinung nach der Einsatz von KI in Zukunft verstärkt bedacht werden. (lel)