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Polen: Regierung stellt Pranger für Sexualstraftäter ins Internet

Die Regierung in Warschau hat Informationen zu Hunderten Sexualstrafttätern ins Netz gestellt, um deren "Kontrolle zu erleichtern". Das Justizministerium beruft sich bei diesem Schritt auf Beispiele etwa aus den USA.

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Polen: Regierung stellt Pranger für Sexualstraftäter ins Internet

(Bild: Klaralaumen, kaboompics)

Das polnische Justizministerium hat im Internet eine Datenbank mit Informationen zu Hunderten verurteilten Pädophilen öffentlich zugänglich gemacht. Die insgesamt 768 Personen in dem Online-Pranger hätten Kinder unter 15 Jahren missbraucht oder besonders brutale Vergewaltigungen begangen, so die Regierung. Das Recht "unsere Kinder zu schützen", wiege schwerer als das Recht dieser Kriminellen auf Anonymität, begründet Justizminister Zbigniew Ziobro des "Rejestr Sprawców Przestępstw na Tle Seksualnym". Es umfasst auch eine nicht öffentliche Liste mit rund 2600 Sexualstraftätern, die unter anderem wegen Besitz von Kinderpornografie verurteilt wurden. Diese Informationen sind beispielsweise für Behörden einsehbar.

Der Minister verweist anlässlich der Veröffentlichung des Registers auf ähnliche Datenbanken in anderen Staaten, darunter etwa den Vereinigten Staaten von Amerika. Sie würden eine wirksame Kontrolle der Straftäter ermöglichen. Verschiedene Arbeitgeber wie Schulleiter müssen nun prüfen, ob Bewerber in der Liste aufgeführt sind. Bei Einstellung eines aufgeführten Sexualstraftäters drohen Geldstrafen. Kritiker hatten sich schon zur Vorstelung der Pläne dagegen gewandt, nicht per se gegen ein solches Register, aber gegen dessen Veröffentlichung. Die Helsinki Foundation for Human Rights etwa bezeichnete das als ungeeignetes Werkzeug im Kampf gegen sexuellen Missbrauch. Beispielsweise würden dadurch Behandlungsmöglichkeiten massiv erschwert, da es für Sexualstraftäter keine Aussicht auf eine Rückkehr in die Gesellschaft übrig lasse. (mho)

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