Politik und Polizei klären über "Gefahren bei neuen Medien" auf

Die Innen-, Justiz- und Familienminister haben gemeinsam mit den Polizeibehörden eine neue Broschüre vorgestellt, die pädagogischen Fachkräften Informationen über digitale Medien bietet und Ratschläge zum Umgang mit jugendgefährdenden Inhalten gibt.

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Von
  • Peter-Michael Ziegler

Die Innen-, Justiz- und Familien-Ministerien in Deutschland haben gemeinsam mit den Polizeibehörden am heutigen Mittwoch eine neue Informationsinitiative zu "Gefahren bei neuen Medien" gestartet. In Stuttgart präsentierten Vertreter der Kultusministerkonferenz (KMK), der Jugend- und Familienministerkonferenz (JFMK), der Innenministerkonferenz (IMK) und des Programms "Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes" (ProPK) eine Broschüre, die Infos über verschiedene Formen digitaler Medien bietet und Ratschläge zum Umgang mit jugendgefährdenden Inhalten im Internet, auf Schülerhandys und in Computerspielen gibt. Gedacht ist die Handreichung "Im Netz der neuen Medien", die auch als PDF aus dem Internet geladen werden kann, für "Lehrkräfte, Fachkräfte in der außerschulischen Jugendarbeit und Polizei".

Auf 76 Seiten werden Themen wie "Interaktive Dienste und Kommunikationsplattformen", "Urheber- und Persönlichkeitsschutz im schulischen Bereich", "Computerspiele und die rechtlichen Regelungen", "Sicherheit im Datenverkehr" oder auch "Gefahren des Handys als Multifunktionsgerät" abgehandelt. Jedes Kapitel beleuchtet dabei zunächst die Ausgangssituation, erörtert rechtliche Aspekte und formuliert Tipps und Empfehlungen für Lehrkräfte, pädagogische Fachkräfte, aber auch Eltern. Für weiterführende Informationen sind jeweils am Ende eines Kapitels Buchverweise und Links zu Online-Angeboten aufgeführt.

Den Adressaten wird in der Broschüre auch erklärt, dass man "Hardcore Adult Galleries" zu Tausenden über spezielle Linklisten (TGP) erreicht und dass sehr viele Hardcore-Videos in Filesharing-Systemen und einschlägigen Newsgroups zu finden sind. "Pornografie war und ist ein wichtiger Motor des Internets", heißt es zusammenfassend in der Broschüre. Nach dem Lesen wissen die Lehrer zudem, was "Tasteless"-Sites und Snuff-Videos sind, was Begriffe wie Cyber-Bullying, Grooming und Nickname bedeuten, und sie sollten in der Lage sein, per Tastaturbefehl Screenshots von Chat-Protokollen anzufertigen und abzuspeichern. Einen großen Bereich nimmt der Rechtsradikalismus ein (das Wort "linksextrem" kommt im Übrigen in der Broschüre nicht ein einziges Mal vor), abgehandelt wird auch die "Verherrlichung von Magersucht und Suizid".

"Mit der gemeinsam erarbeiteten Fortbildungsinitiative wollen die Partner erreichen, dass Kinder und Jugendliche lernen, die neuen Medienangebote kompetent, selbstbewusst und vor allem sicher zu nutzen", heißt es in einer gemeinsamen Presseerklärung der Initiatoren. Herausgestellt wird darin etwa das Problem der Verletzung von Persönlichkeitsrechten durch heimliche Bild- und Tonaufnahmen und deren Veröffentlichung. Fälle von Internet-Mobbing beziehungsweise Cyber-Bullying würden sich an immer mehr Schulen häufen, heißt es. Davon seien sowohl Schüler als auch Lehrkräfte betroffen. So würden etwa heimliche Bild- oder Filmaufnahmen im Unterricht, in der Umkleidekabine oder auf der Schultoilette gemacht und per MMS oder über das Internet verbreitet. Auch würden Lehrkräfte in Chaträumen oder anderen Internetplattformen diffamiert und beleidigt.

"Ein Leben ohne Medien ist in unserer Gesellschaft nicht mehr vorstellbar", erklärte der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm. Dabei sei aber auch festzustellen, dass es neben nützlichen, informativen und unterhaltsamen Angeboten auch viele fragwürdige und rechtlich bedenkliche Inhalte gebe. "Datenmüll" und "Infoschrott', gewaltverherrlichende, pornografische und rechtsextremistische Inhalte "stellen eine Herausforderung für unsere Gesellschaft dar", verdeutlichte Schönbohm. Den Pornografie-Passus in der Broschüre muss der brandenburgische Innenminister wohl überlesen haben. (pmz)