Politische Wahlen per Internet sollen selbstverständlich werden

In naher Zukunft werden die Deutschen nach Einschätzung von Rüdiger Grimm, Professor für IT-Sicherheit an der Universität Koblenz, bei politischen Wahlen auch via Internet ihre Stimme abgeben können.

Lesezeit: 1 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 381 Beiträge
Von

In naher Zukunft werden die Deutschen nach Einschätzung von Rüdiger Grimm, Professor für IT-Sicherheit an der Universität Koblenz, bei politischen Wahlen auch via Internet ihre Stimme abgeben können. "Irgendjemand wird anfangen und zeigen, dass das ganz einfach und unproblematisch geht", sagte Grimm in einem dpa-Gespräch. Dann werde diese Art des Wählens "ganz natürlich" als Ausnahmewahl wie die Briefwahl angeboten. "In fünf Jahren wird das selbstverständlich sein."

In Deutschland hatte 2001 der hessische Kreis Marburg-Biedenkopf einen Anfang gemacht, der die Bürger bei der Landratswahl mit dem Papier-Stimmzettel und testweise parallel im Internet votieren ließ. Mit dem Zusammenbruch des Börsensegments Neuer Markt habe es für solche Projekte allerdings einen Rückschlag gegeben. "Mit der Ernüchterung ist allgemein eine Skepsis gegenüber der Elektronifizierung in allen Bereichen gekommen", sagte der Wissenschaftler. Nach 2004 sei die Entwicklung von elektronischen Wahlverfahren wieder in Gang gekommen.

Der Wähler müsse sicher gehen können, dass seine Stimme wirklich übermittelt und gewertet werde, sagte Grimm. Es dürfe kein Unberechtigter die Wahl verfälschen. Um dies sicherzustellen, kann laut Grimm das PIN-TAN-Verfahren aus dem E-Banking übernommen werden, dass allerdings ergänzt werden muss. Denn trotz der eindeutigen Identifikation des Wählers müsse die Anonymität bei der Stimmabgabe gewahrt bleiben. Die Gesellschaft für Informatik habe dafür bereits Lösungsvorschläge entwickelt, sagte Grimm.

Zudem gilt es eine rein mentale Hürde beim Bürger zu überwinden. "Mit Wahlen verbindet man ein besonderes Maß an Nachvollziehbarkeit und Vertrauenswürdigkeit", erklärte Grimm. Unter einer Wahlurne könne sich im Gegensatz zu einer virtuellen Wahl jeder etwas vorstellen.

Bisher gibt es Internet-Wahlen vor allem für Vereine, Betriebsräte, Jugend- und Studentenparlamente. Von der Einführung auch bei politischen Wahlen erhoffen sich Experten unter anderem Kostenersparnisse für den Staat. Das osteuropäische Estland hatte im vergangenen Jahr die Kommunalwahlen auch per Internet durchgeführt. Laut Grimm waren dort jedoch die Sicherheitsvorkehrungen minimal. "Es war etwas besser abgesichert, als wenn jeder per E-Mail geschrieben hätte, wen er wählt." (dpa) / (jk)