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Polizei: Online-Forum zum Castor-Transport ein voller Erfolg

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In Sachen Castor fetzen sich seit Wochen Gegner und Beführworter im Internet - angestiftet von der niedersächsischen Polizei. Im Internet-Forum wird heiß über den anstehenden Castor-Transport mit hochradioaktivem Atommüll diskutiert. "Es läuft wirklich gut. Wir sind von Akzeptanz und Beteiligung unseres Angebots überrascht", sagt Polizeioberkommissar Thomas Klay, der mit einem Bundesgrenzschutz-Kollegen in Lüneburg den IT-Auftritt betreut.

Mehr als 180.000 Zugriffe täglich registrieren die Server auf den speziellen Castorseiten der Polizei. Hier gibt es Informationen über Transport, rechtliche Aspekte, Ansprechpartner, Links zu verschiedenen IT-Auftritten von Atomkraftgegnern und eben das Diskussionsforum. Über mehr als 60 Themen wird debattiert oder gewitzelt. "Ist am Bahnhof Versammlungsverbot, weiß man gleich: ein Castor droht!" Viele Forumsthemen haben mehr als 350 Beiträge, täglich kommen neue hinzu.

Ein Hauptaspekt ist neben der Grundsatzdiskussion über Atomtransporte und Kernenergie die Angst vor Auseinandersetzungen: "Wer immer noch an der Gewalt der Bullen zweifelt, sollte einfach mal während des Transports in die Zeitung schauen oder sich selber auf die Straße oder auf die Schienen setzen!" schreibt GegenPoliziestaat+Castor. "Respekt basiert letztlich auf Gegenseitigkeit. Ich glaube, diese Erkenntnis in den Köpfen aller Beteiligten könnte schon viel helfen", lautet eine Antwort zu diesem Beitrag.

"Ich lese da gerne mal quer und schreibe ab und an auch meine Meinung dazu, aber zensiert wird hier nichts", betont Thomas Klay. Der 39-Jährige arbeitet normalerweise als Streifenpolizist im Abschnitt Salzgitter. Nach einem erfolgreichen Engagement vor vier Jahren beim ersten IT-Castor-Auftritt der Polizei baten ihn Vorgesetzte kurzfristig erneut zum Spezialeinsatz. Seit Mitte Januar betreut Lay mit Hilfe einiger Kollegen aus Hannover und vom Bundesgrenzschutz (BGS) die Internetseiten.

Kritisiert wird im Forum zum Beispiel die angeblich von der Polizei viel zu hoch angegebene Zahl der Konfliktmanager, die den Ausbruch von Gewalt schon im Vorfeld verhindern sollen. Statt 130 seien es tatsächlich nur 12, lautet ein Vorwurf. "Dass dann ganz normale Pressesprecher, die selbst von sich sagen, keine weitere Schulung erhalten zu haben, als Konfliktmanager verkauft werden, passt ins Bild. (...) Also, gehen wir davon aus, dass 15.000 Konfliktmanager ins Wendland kommen."

Ein offensichtlich zu den Polizisten zählender Trainer bemerkt dazu: "Wenn die BI (Bürgerinitiativen) Gespräche möchten, wo bitte sind denn die BI'n? Ich höre immer nur, dass das Konfliktmanagement eh nicht funktioniert. Die Möglichkeit zu einem Gespräch habe ich noch nicht bekommen!!!"

Doch nicht alle Diskussionsteilnehmer sind von der neuen offenen Kommunikationsbereitschaft der Polizei überzeugt: "Voll das Gekuschel hier zwischen Polizisten und Ökos. Dabei ist alles doch nur Heuchelei. Die Demonstranten werden sich nicht neben die Schienen hocken und die Polizisten werden auch die friedlichen Demonstranten wieder mit Wasserwerfern, Schlägen, Griffen ins Gesicht und all den kleinen Nettigkeiten von der Straße komplimentieren." meint scar und fordert eine Kennzeichnungspflicht für Beamte.

Dass die Polizisten nicht immer nur mit Worten bei der Sache sind, verdeutlicht die eigene Pressemitteilung der Polizei zu einer Greenpeace-Besetzung: "Diese Aktion wurde durch einen 23jährigen aus Schwerin gefilmt. Trotz mehrfacher Aufforderungen mit dem eindeutigen Hinweis, dass Aufnahmen auf dem Gelände aus Sicherheitsgründen nicht erlaubt sind, stellte er seine Handlungen nicht ein. Erst nachdem er durch einfaches körperliches Einwirken zu Boden gebracht werden mußte, hat er sich als Pressevertreter zu erkennen gegeben."

Neueste Informationen zu dem am 27. März geplanten Castor-Transport veröffentlicht auch die Bürger-Initiative Lüchow-Dannenberg auf ihrer Webseite. Neben aktuellen Informationen und Terminen findet der interessierte Leser dort auch Hintergründe zu den Transporten und zur Atom-Politik der Bundesregierung aus der Sicht der Bürgerinitative. (hag)