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Polizei in Massachusetts testet Roboter von Boston Dynamics

Die Polizei im US-Bundesstaat Massachusetts hat sich einen Roboterhund von Boston Dynamics geliehen – und bereits zwei Mal in echten Einsätzen benutzt.

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(Bild: Screenshot Youtube/TechCrunch)

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Die Polizei im Bundesstaat Massachusetts hat als erste US-Polizeibehörde einen Roboterhund vom Typ "Spot" der Firma Boston Dynamics getestet und für Einsätze benutzt. Das geht aus Dokumenten hervor, die die Bürgerrechtsorganisation American Civil Liberties Union (ACLU) veröffentlicht hat. Demnach sei der "Spot"-Roboter nach ersten Tests im August offiziell für vier Monate an das Bombenräumkommando der Polizeibehörde vermietet worden. Neben Probeläufen nahm er offenbar bereits an zwei echten Polizeieinsätzen teil – wie genau, ist jedoch nicht bekannt.

Die Polizei von Massachusetts setzt zwar bereits selbstfahrende Roboter zur Bombenentschärfung ein, doch das vierbeinige Modell von Boston Dynamics stellt demgegenüber eine neue Dimension von robotergestützter Polizeiarbeit dar. So zeigen Aufnahmen von Boston Dynamics auf einem Polizeitestgelände, wie "Spot" unter anderem dazu genutzt werden kann, Türen mit seinem eingebauten Greifarm zu öffnen.

Ein Sprecher der Polizeibehörde erklärte gegenüber dem Lokalradio WBUR, der Roboter sei wie die anderen benutzten Modelle für "mobile ferngesteuerte Überwachung" gedacht: "Robotertechnik ist ein wertvolles Werkzeug für die Polizei, weil sie es ermöglicht, Situationen in potenziell gefährlichen Umgebungen abzuschätzen." "Spot" verfügt neben seinen vier Beinen und dem Greifarm über eine 360-Grad-Kamera, die auch bei schlechten Lichtverhältnissen funktionieren soll.

Kade Crockford von ACLU bemängelt gegenüber WBUR unter anderem, dass der Einsatz von Robotern bei der Polizei des Bundesstaats nicht transparent gemacht werde. Es sei unklar, wofür sie eingesetzt werden dürften, obwohl ihre Möglichkeiten für Überwachung oder gar Bewaffnung äußerst umfassend seien. Darüber hinaus gebe es keinerlei gesetzliche Rahmenbedingungen für hochentwickelte Roboter wie die von Boston Dynamics. Als extremes Beispiel für den Einsatz von Polizeirobotern gilt dabei ein Attentat in Dallas im Jahr 2016, bei dem der Täter von einem ferngesteuerten und mit Sprengstoff beladenen Roboter von der Polizei getötet worden war, nachdem er sich geweigert hatte, sich zu ergeben.

Nach Angaben von Boston Dynamics ist eine Grundbedingung für die Vermietung der "Spot"-Modelle, dass sie nicht bewaffnet werden dürften und sie nicht dazu eingesetzt werden dürften, Menschen zu verletzen oder einzuschüchtern. Eine entsprechende Klausel fehlt allerdings in den von ACLU veröffentlichten Unterlagen, dagegen verbieten sie der Polizei allerdings, eigenständig Fotos des Roboters zu veröffentlichen. Boston Dynamics soll außerdem umfassendes Feedback zum Einsatz des Roboters erhalten – offenbar, um eine weitere Vermarktung von "Spot" im Sicherheitssektor zu ermöglichen.

Boston Dynamics hatte im Juni angekündigt, "Spot" als erstes ihrer Modelle kommerziell vertreiben zu wollen. Der Roboterhund soll sich dabei unter anderem für die Paketzustellung eignen, aber auch von Industrie- und Baufirmen zur Vermessung und Überwachung eingesetzt werden können. Er soll via Tablet gesteuert und mittels offener Schnittstellen für verschiedene Anwendungen angepasst werden können; zu seinen Vorzügen gegenüber herkömmlichen Industrierobotern zählt, dass er flexibel auf Hindernisse und neue Umgebungen reagieren kann. Damals kündigte Boston Dynamics an, bis zu 1000 "Spots" pro Jahr verkaufen zu wollen. (siko)