Polizei nimmt 10 Terabyte Warez vom Netz [Update]

Die Polizei hat in einem Frankfurter Rechenzentrum drei Computer beschlagnahmt und durchsucht.

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Von
  • Patrick Brauch

Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei haben gestern eine Durchsuchung in einem Rechenzentrum in Frankfurt am Main durchgeführt. Der Betreiber einer so genannten TopSite soll auf drei Rechnern, die dort sichergestellt wurden, Filme, Spiele und Programme im Gesamtvolumen von knapp 10 TByte gelagert und über das Internet verbreitet haben. Offenbar hat die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen GVU bereits mehrmonatige Untersuchungen angestellt.

Nach Angaben aus Insider-Kreisen hat die Polizei die drei Computer beschlagnahmt und vor Ort untersucht. Die Server boten die Site "UnR" (Unreality) an, auf der aktuelle Software und Filme abrufbar waren. Der Besitzer ("SiteOp") soll sich aber angeblich im Urlaub befinden und wird derzeit per internationalem Haftbefehl gesucht. Außerdem wurde die Arbeitsstätte des Hauptbeschuldigten sowie sieben weitere Orte in Hessen und Nordrhein-Westfalen durchsucht. In der Wohnung des Hauptbeschuldigten seien mehrere tausend Datenträger, PCs, PC-Teile sowie Festplatten sichergestellt worden.

Gerüchte, dass die Gruppe die Möglichkeit hatte, über einen Knotenpunkt ins Deutsche Forschungsnetz (DFN) Daten zu übertragen, dementiert man allerdings in der Szene. Die Site war aber offiziell mit einem Gigabit angebunden, in der Praxis erzielte man damit Übertragungsraten von circa 40 Megabyte/Sekunde. Insider-Kreise behaupten, die Site sei nur für den internen Gebrauch verschiedener Gruppen benutzt worden. Die GVU spricht von rund 400 User-Accounts.

Die Beteiligten sollen sich gegenseitig mit den neuesten Filmen und Computerspielen versorgt haben, um einige davon gegen Entgelt weiter zu verbreiten, behauptet dagegen die GVU. "Den Status beziehungsweise die Position dieser Zugangsberechtigten auf dem Piraterie-Schwarzmarkt kann man sich so vorstellen wie Vertriebsleiter auf dem legalen Markt. Die Ware wird oft aus dieser Hierarchieebene nicht direkt an die 'Endverbraucher' geliefert, zum Beispiel über Auktionshäuser oder Flohmärkte, sondern an weitere Unterhändler", so GVU-Ermittler Bernd Kulbe.

Über UnR sei ein großer Teil der neuesten Kinofilm- und Software-Raubkopien ins Internet gelangt. Es sei eine der größten Erstveröffentlichungsplattformen gewesen, stellt die GVU weiter dar. Nun soll untersucht werden, inwieweit UnR auch für den internationalen Raubkopienmarkt bedeutsam war, denn es seien auch englischsprachige Release-Gruppen beteiligt gewesen. Kulbe schätzt, dass die Täter bisher ihre Sicherheitsvorrichtungen für so gut hielten, dass sie nicht erwarteten, entdeckt zu werden. "Dieser Fall zeigt, dass gegen solche Raubkopien-Quellen erfolgreich vorgegangen werden kann. Wir haben auch Kenntnis über weitere Server." (pab)