Polizei sprengt internationalen Kinderpornografie-Ring im Internet

Insgesamt werden 530 Bundesbürger des Besitzes oder des Verbreitens von kinderpornografischen Schriften verdächtigt. Weltweit gibt es nach der ein Jahr dauernden Aktion 26.500 Tatverdächtige.

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Von
  • Andreas Wilkens

Polizei und Staatsanwaltschaft Sachsen-Anhalts haben mit einer weltweit angelegten Aktion 38 international tätige kinderpornografische Zirkel im Internet gesprengt. Insgesamt werden 530 Bundesbürger des Besitzes oder des Verbreitens von kinderpornografischen Schriften verdächtigt. Weltweit seien von den Ermittlungen in 166 Ländern rund 26.500 tatverdächtige Internet-Nutzer betroffen. Damit ist die Operation "Marcy" bislang die bedeutendste Aktion gegen die internationale Kinderpornografie-Szene, bei der Deutschland Ausgangspunkt für Ermittlungen war, teilt die Polizei in Sachsen-Anhalt mit.

Im Zusammenhang mit den Ermittlungen seien in dieser Woche deutschlandweit Privatwohnungen und Geschäftsräume -- insgesamt 502 Objekte -- durchsucht worden. Dabei wurden 745 Computer, mindestens 35.500 CDs, 8300 Disketten sowie 5800 Videos beschlagnahmt. An der Aktion waren bundesweit insgesamt 1500 Beamte von Polizei und Staatsanwaltschaft beteiligt.

Ursprung der über ein Jahr dauernden Ermittlungen war ein Verfahren gegen einen pädophilen Tatverdächtigen aus Magdeburg. Der Verband der deutschen Internetwirtschaft hatte im Mai 2002 Anzeige gegen den Gründer eines geschlossenen kinderpornografischen Zirkels wegen des Verdachts der Verbreitung kinderpornografischer Schriften erstattet. Die Polizei durchsuchte im Juli 2002 Wohnungen des Beschuldigten in Magdeburg und Schartau.

Durch Beschluss des Amtsgerichts Halle-Saalkreis sei ein internationaler Provider verpflichtet worden, die vorhandenen Protokolldatensätze der Kinderpornozirkel zu sichern und zu übermitteln. Am 17. Oktober 2002 wurden durch den Provider 26.500 Bilddateien, 38.000 E-Mail-Adressen und 12 GByte Protokolldateien mit 14 Millionen Einträgen den Strafverfolgungsbehörden übergeben.

Die Polizei geht davon aus, dass es sich teilweise um hochgradig pädophile Täter aus allen gesellschaftlichen Schichten handelt. Bei vielen Tatverdächtigen liegen "einschlägige polizeiliche Erkenntnisse, insbesondere aus dem Bereich Sexualdelikte vor", teilt die Polizei mit.

Sachsen-Anhalts Justizminister Curt Becker und Innenminister Klaus Jeziorsky erklärten heute in Magdeburg, Sachsen-Anhalts Strafverfolgungsbehörden hätten eindrucksvoll bewiesen, "dass sie im Kampf gegen Kinderpornografie bundesweit an exponierter Stellung stehen". Becker zufolge wird geprüft, ob die überführten Täter nach Paragraph 184 Absatz vier des Strafgesetzbuches wegen "bandenmäßiger Verbreitung von Kinderpornografie" angeklagt werden. In diesem Fall drohe ihnen eine Strafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren.

"Jeder Fall von Kinderpornografie ist die Abbildung des sexuellen Mißbrauchs eines Kindes -- jeder Klick tötet eine Kinderseele", sagte der Minister. Die bloße Verbreitung von Kinderpornografie -- also ohne bandenmäßigen Hintergrund -- werde mit einer Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren geahndet. Allein der Besitz von Kinderpornografie wird mit Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr geahndet. Becker sprach sich für eine deutliche Verschärfung des Strafrahmens aus und kündigte Unterstützung für Initiative auf Bundesebene an.

Innenminister Jeziorsky betonte, das Ausmaß der Ermittlungen zeige, wie der Handel mit der "Ware Kind" floriere. "Der Markt der Kinderpornografie wächst und in der heutigen Welt der Datennetze versuchen Straftäter, die neuen Möglichkeiten für ihre kriminellen Ziele Gewinn bringend zu nutzen." Mit dem Internet scheine sich die Kinderpornografie potenziert zu haben. "Millionenbeträge werden umgesetzt und der erhoffte finanzielle Gewinn lässt die letzten Hemmschwellen fallen", fügte er hinzu. (anw)