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Polizei warnt vor Mithilfe bei Geldwäsche von Phishing-Betrügern

Eine aktuell beliebte Masche von organisierten Phishing-Banden sorgt derzeit für viel Arbeit bei deutschen Ermittlungsbehörden: Mit Mails und Websites wecken die Betrüger Hoffung auf den schnellen Euro. Mal will ein angebliches Unternehmen "Worldexchange" "Finanzkuriere" aquirieren, dann wieder sucht "HQ Management" einen "Chefgehilfen" -- die Einkommensaussichten seien natürlich stets grandios. Wer an dem Angebot Interesse zeigt, bekommt meist kurz darauf eine Summe von mehreren Tausend Euro auf sein Privatkonto überwiesen, die er abheben und abzüglich einer Provision von sechs bis acht Prozent via Western Union nach Osteuropa, oftmals nach Sankt Petersburg transferieren soll.

Die Gelder stammen von Privatkonten, zu denen die Betrüger per Phishing-Mail oder Trojaner PIN/TAN-Kombinationen ausgespäht haben. Nach Informationen von heise online gehen die Banken derzeit vermehrt dazu über, gegen die oft ahnungslosen Inhaber der Zwischenkonten Anzeige wegen Geldwäsche gemäß Paragraf 261 Strafgesetzbuch zu erstatten. Dies sei eine neue Tendenz, berichtete ein Ermittlungsbeamter: "Bisher war es stets so, dass die Banken versucht haben, die Problematik unter der Decke zu halten. Die geschädigten Kunden haben stillschweigend ihr Geld erstattet bekommen. So wollte man die Sicherheitsmängel des PIN/TAN-Verfahrens kaschieren, um nicht auf das teurere HBCI umsteigen zu müssen."

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Wohl auch wegen dieser bislang gängigen Praxis werden die Betrügerbanden immer dreister, wie der Fall eines heise-online-Lesers zeigt: Per E-Mail wurde dem verdutzten Herrn angekündigt, dass in Kürze 2600 Euro auf seinem Konto eingehen würden, die er bitte abheben und in bar an eine bestimmte Western-Union-Empfangsnummer überweisen solle. Sechs Prozent Provision dürfe er davon abziehen. Am Tag darauf erhielt er sogar einen Anruf. Eine Dame schilderte nochmals die Vorgehensweise und nannte ihm seine Kontonummer, allerdings mit einem Zahlendreher. Der Leser erwiderte, er werde das Geld nicht abheben, falls es tatsächlich auf seinem Konto eingehe, sondern die Polizei einschalten. Dennoch erhielt er die 2600 Euro, die er von seiner Hausbank postwendend auf das Konto des Phishing-Opfers zurücküberweisen lies.

Ihm sei völlig unklar, wie die Betrüger auf ihn gekommen seien und woher sie seine Adressdaten, Telefonnummer und Bankverbindung her hätten. Offenbar sehen sich die Phishing-Banden zu diesem Zweck vermehrt auf gewerblichen Websites oder beispielsweise bei eBay um. Denkbar auch, dass sie sogar im Altpapier von Privathaushalten schnüffeln. (hob)

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