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Polizeikongress: Aussteller zeigten Sicherheitstechnik

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Nach Ansicht der Bundesregierung ist der Europäische Polizeikongress keine Verkaufsmesse, sondern eine internationale Kongressmesse (PDF-Datei), "die sich als Informationsplattform für Entscheidungsträger der Polizeien und Sicherheitsbehörden versteht." Etwa 30 Aussteller zeigten Produkte von der Überwachungsdrohne bis zum Alkohol-Schnelltester. Einige von durften sich auf der Bühne des Berliner Congress Centrum allen Zuhörern präsentieren.

Verkaufen wollen sie wohl nicht, aber vor "Entscheidungsträgern" werben, dass ist für viele Firmen auch nicht schlecht. Zum Inventar gehörte Mobotix, das seine Megapixel-Überwachungskameras noch auf jedem Polizeikongress präsentiert hat – und davon mittlerweile 12.000 Stück pro Monat verkauft. Zu den Newcomern zählte itWatch, das die PCs und Tablets von Bundeswehr und Bundespolizei mit der nötigen Verschlüsselungssoftware ausstattet. Irgendwo dazwischen lag Rohde und Schwarz, das für seine "IMSI-Catcher" warb, mit denen Selbstmörder und Lawinenopfer gefunden werden können – sofern sie ihr Smartphone eingeschaltet haben. Die technisch "Direction Finder" genannten Geräte wurden nicht demonstriert, allerdings verwies der Referent auf ein Youtube-Video zur Smartphone-Lokalisierung.

Palantir Technologies, eine Firma des Silicon Valley-Tycoons Peter Thiel, die nach eigenen Angaben Datenbanksoftware für Nachrichtendienste und Militärs entwickelt, konnte zum zweiten Mal auf einem Polizeikongress vortragen. Inzwischen hat die Firma ein Berliner Büro. Deutschland-Chefin Meline von Brentano pries die Software als Ideal für die Zusammenarbeit von Polizei und Nachrichtendiensten an. Überall dort, wo bestimmte Daten per Gesetz nicht zusammengeführt werden dürften, könne Palantir eine "Integrationsebene" über die Daten legen. Während die Daten blieben, wo sie sind, würden Metadaten produziert, die eine einheitliche Sicht garantierten. Als neuestes Produkt stellte die Firma ihr "Nexus Peering" vor, mit dem laut Präsentationsfolie Daten des US-amerikanischen Nachrichtendienst CIA direkt mit denen des National Counterterrorism Centers (NCTC) und des Special Operations Command (SOCOM) der US-Armee verbunden sind.

Ein häufiger Gast des Kongresses ist Bert Weingarten mit seiner Firma Pan Amp. In Berlin gab man bekannt, dass die Firma eine einzigartige Vermessung des Internet abgeschlossen habe. In achtjähriger Arbeit seien die Daten aller Internet-Gateways zusammengetragen und analysiert worden. Das Resultat soll eine umfangreiche Klassifizierung nach Kontinenten und Ländern sein, die es Pan Amp blitzschnell gestatte, den Ausgangspunkt eines Internet-Angriffes zu ermitteln. [Update]"Dies ist ein Meilenstein in der IT-Sicherheit Europas ", erklärte Weingarten[/Update]. Als Beispiel führte er eine anonyme Morddrohung an, die die israelische Niederlassung eines Konzerns erhielt. Während die Behörden im Dunklen tappten, sei es Pan Amp gelungen, den Absender auf 40 Meter genau zu lokalisieren.

Die Genauigkeit der "Deep Internet Forensics" sei wichtig, wenn Pan Amp für "informelle Dienste" terroristische Server in Syrien orte, die de facto über türkische Gateways angeschlossen seien und damit nicht ohne weiteres als syrische Systeme erkennbar seien. Zudem verfüge der Konzern über einzigartige "Deep Internet Flags", erklärte Weingarten. Diese Spürhunde werden auf fremden Systemen platziert, wenn etwa Erpresser über die Web-Kontaktseite eines Unternehmens ihre Forderungen stellen. So konnte nach Angaben des Pan Amp-Chefs die Erpressung eines Arzneimittelkonzerns gestoppt werden. Der Erpresser meldete sich immer kurz vor Abflug von Flughafen-WLANs bei dem Unternehmen. Pan Amp analysierte anhand des "Deep Internet Flags" die Flughafen-WLANs; die Daten wurden an die Polizei zum Abgleich mit Passagierlisten weitergeleitet.

[Update 25.02.2013 15:45]:

Ursprünglich hieß es in dem Artikel: "Pan Amp ermittelte dank des sich meldenden "Deep Internet Flags" diese WLANs und glich die Logs mit den in Frage kommenden Passagierlisten ab." Pan Amp hat aber die Daten nicht selbst mit den Passagierlisten abgeglichen. Dies wurde am Ende des Artikels korrigiert. (vbr)

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