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Polizeisprecher: Mehrheit für soziale Medien nicht bereit

In der Nacht des Amoklaufs in München gab es viel Lob für den Sprecher der Polizei München, der viele Fernsehzuschauer beruhigen konnte. In einem Interview hat er nun die Strategie seiner Abteilung erläutert und Probleme der sozialen Medien thematisiert.

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Der Twitter-Account der Münchener Polizei

Der in der Nacht des Amoklaufs von München bekanntgewordene Sprecher der Münchener Polizei ist überzeugt, dass der überwiegende Teil der Menschen, die heute soziale Medien und Messaging-Dienste benutzen, dafür gar nicht bereit ist. Marcus da Gloria Martins erklärte das in einem Interview mit dem Tagesspiegel mit der Reichweite, die es so bisher nicht gegeben habe. Mit einer unglücklich formulierten Nachricht könne jeder zum Ausgangspunkt einer "großen, großen Fehlinformations- und Irritationskette" werden. So hätten die am Abend des 22. Juli vielfach geteilten Informationen der Polizei zwar durchaus genutzt, aber auch vielfach zu Verunsicherungen beigetragen.

Seine Behörde benutze die sozialen Medien, weil die Mehrheit der internetnutzenden deutschen Bevölkerung dort unterwegs sei, erklärt da Gloria Martins die Social-Media-Präsenz der Münchener Polizei. Die Möglichkeit, dort mitzureden, überwiege alle Risiken. An jenem Abend des Amoklaufs habe sich gezeigt, dass das richtig sei. So könne man dort schnell sein und Widerspruch üben, wenn eine Falschinformation umgehe. Auch mal zur Ordnung zu rufen, sei eine Rolle, die offensichtlich habe besetzt werden müssen. Dazu habe er fünf Leute in seinem Team, gebrauchen können hätte er aber 20.

In dem Gespräch weist der Polizeisprecher aber auch auf ein Problem der klassischen Medien hin. So hätten sich viele davon an dem Abend sehr korrekt verhalten und den Spekulationsgrad bestimmter Informationen anzugeben versucht. In solch einer Krisensituation verstünden das viele Nutzer aber nicht mehr und würden ein "könnte", "hätte" oder "eventuell" überlesen. Dann werde "Meldungen berichten von Schüssen am Stachus" schnell verstanden als "Schüsse am Stachus". (mho)