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Polizeistatistik: Mehr Internetkriminalität, weniger Kinderpornos

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Im Unterschied zum Trend bei der allgemeinen Kriminalitätsentwicklung wies der Bereich Cybercrime im vergangenen Jahr steigende Fallzahlen auf. Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) 2009, die Bundesinnenminister Thomas de Maizière und Hamburgs Innensenator Christoph Ahlhaus (beide CDU) am heutigen Dienstag in Berlin vorstellten, verzeichnet 206.909 Delikte im Internetbereich. Im Jahr 2008 markierten die Ermittler noch 167.451 Straftaten mit der Sonderkennung "Tatmittel Internet". Das entspricht einem Zuwachs um 23,6 Prozent. 82 Prozent der Online-Kriminalität entfallen auf Betrugsdelikte, wobei es mit einem Anteil von 37,6 Prozent vor allem um Waren geht.

Erneut stark zurückgegangen auf 2,9 Prozent ist der Anteil des Internets an der Verbreitung pornographischer Schriften. 2008 lag der Wert noch bei 6,2 Prozent. Der Teilbereich des Besitzes und der Beschaffung von Kinderpornographie schrumpfte insgesamt im Jahr 2009 ebenfalls. Verzeichnet sind 3823 Fälle, was einem Minus von 43 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Die Tendenz deckt sich mit jüngsten Stimmen aus der Wissenschaft, wonach der in der Debatte um Websperren viel beschworene "Massenmarkt im Web" für Kinderpornographie nicht existiert. Insgesamt ist für den sexuellen Missbrauch von Kindern im Jahr 2009 mit 11.319 Fälle und einem Minus von 6,1 Prozent der niedrigste Wert seit 1993 zu verzeichnen. In diesem Deliktsbereich gehen die Strafverfolger aber nach wie vor von einem hohen Dunkelfeld aus.

Beim digitalen Identitätsdiebstahl hat das Bundeskriminalamt (BKA) knapp 7000 Fälle registriert. Das Ausspähen von Kontodaten per Phishing beim Online-Banking nahm um rund 64 Prozent auf 2923 gemeldete Fälle zu.

Für die allgemeine Computerkriminalität weist die aktuelle Statistik eine Zunahme um 17,7 Prozent auf 74.911 Fälle aus. Diese wird überwiegend mit der Steigerung der Fallzahlen beim Computerbetrug mit einem Plus von 35 Prozent auf 22.963 Fälle, beim Betrug mittels rechtswidrig erlangter unbarer Zahlungsmittel mit einem Anstieg um 6,1 Prozent auf 70.918 Fälle und beim Ausspähen, Abfangen von Daten einschließlich Vorbereitungshandlungen mit einer deutlichen Zunahme 48,7 Prozent auf 11.491 Fälle begründet.

Einen Rückgang um 27,1 Prozent auf 1351 Fälle gibt es – im Gegensatz zu Angaben von Wirtschaftsvereinigungen – bei der "Softwarepiraterie" etwa von Computerspielen zu vermelden. Mit einem Minus von 33,6 Prozent auf 11.943 Fälle befanden sich auch die Straftaten im Zusammenhang mit Urheberrechtsbestimmungen im Sinkflug. Als eine mögliche Ursache dafür nennt die Statistik einen "Anzeigenrückgang der Musikindustrie". Die Aufklärungsquote im Bereich der Computerdelikte insgesamt ist von 40,3 Prozent auf 37,5 Prozent leicht gesunken und liegt damit unter dem Durchschnitt.

Einen Anstieg verzeichnet das BKA beim sogenannten Skimming, bei dem Lesegeräte für EC- oder Kreditkarten manipuliert und Daten abgegriffen werden. Allein 960 Geldautomaten waren demnach im vergangenen Jahr von entsprechenden Angriffen betroffen, während es im Vorjahr noch 809 waren. Die Wiesbadener Polizeibehörde schätzt den Schaden, der durch den Einsatz gefälschter EC-Karten mit deutschen Kundendaten hierzulande entsteht, auf rund 40 Millionen Euro. Im Ausland stellten die Ermittler 11.000 kriminelle Transaktionen mit Bezug zu Deutschland und einen Verlust in Höhe von zwei Millionen Euro fest.

Generell war 2009 – wie bereits in den Vorjahren – die polizeilich registrierte Kriminalität rückläufig. Im Berichtszeitraum 2009 sanken die Straftaten um 1,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Insgesamt wurden etwas über 6 Millionen Delikte registriert. Die allgemeine Quote bei der Aufklärung liegt mit 55,6 Prozent auf dem höchsten Stand seit Einführung der gesamtdeutschen PKS 1993. Bundesinnenminister Thomas de Maizière zog dann auch zufrieden das Fazit: "Weniger gemeldete Straftaten bei gleichzeitig steigender Aufklärungsquote – der positive Trend der Vorjahre hat sich auch 2009 fortgesetzt." Der erneute Rückgang der Fallzahlen der Kinder- und Jugendkriminalität mache zudem Hoffnung, dass "die bereits im Vorjahr festgestellte Trendwende im Hinblick auf die Gewaltbereitschaft Jugendlicher anhält". (jk)