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Popstars singen Klagelied bei der EU-Kommission über YouTube

Über 1000 Künstler und Bands, darunter etwa Coldplay oder Lady Gaga, beschweren sich in einem Brief an Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, dass YouTube zuwenig gegen Copyright-Verstöße tue und sie um ihre Tantiemen bringe.

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Die Musikindustrie setzt ihre Kampagnen gegen gesetzlich verankerte Haftungsprivilegien für Provider fort. Nach einer konzertierten Aktion in den USA im April haben Vertreter der Branche nun Brüssel ins Visier genommen. Rund 1000 Popstars und Bands, die von Coldplay über Ed Sheeran bis zu Lady Gaga reichen, beklagen laut Financial Times in einem Schreiben an EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, dass YouTube Künstlern "unfair Wert absaugt".

Es gebe eine wachsende Kluft zwischen der "explodierenden" Online-Musiknutzung insbesondere in sozialen Netzwerken und Videoplattformen und den Einnahmen der Kreativen und der Investoren in Musiktitel, empören sich die Verfasser des Briefs demnach. Damit werde ein Ungleichgewicht auf dem Marktplatz geschaffen.

Bei Urheberrechtsverletzungen drückten Portale wie YouTube ein Auge zu, monieren die Künstler. Schuld daran seien die im EU-Recht bestehenden Haftungsfreistellungen für Provider und Telemedienanbieter. Diese schüfen einen "sicheren Hafen" für Online-Plattformen, in dem sie diese vor sofortigen Klagen wegen Copyright-Verstößen freistellten.

"Die Schutzverkehrungen sind vor zwei Jahrzehnten geschaffen worden, um aufstrebenden digitalen Startups Entwicklungsmöglichkeiten zu geben", konstatieren die Musiker. Heute würden sie missbraucht von großen Online-Konzernen, "die unsere Werke vertreiben und in bare Münze umwandeln". Dabei fließe zuwenig Geld zurück an die Urheber.

YouTube nutzt ein eigenes Filtersystem mit dem Namen "Content ID", um Videos mit rechtswidrigen Inhalten auszumachen und zu blockieren. Die Google-Tochter nimmt zudem auf Zuruf von Rechteinhabern zahlreiche Beiträge von der Plattform herunter, bis die Lage geklärt ist. Bürgerrechtsorganisationen beklagen seit Langem, dass mit diesem System eine Zensur einhergehe und Nutzerrechte unangemessen eingeschränkt würden.

Ein YouTube-Sprecher betonte gegenüber der FT, dass die überwältigende Mehrheit der Labels und Musikverlage Lizenzvereinbarungen mit dem Unternehmen getroffen habe und so "in 95 Prozent" der Fälle von Inhalten profitiere, die Fans hochladen. Es seien bereits drei Milliarden US-Dollar an die Branche zurückgespielt worden. Plattenfirmen bringen dagegen in aktuellen Beschwerden vor dem US Copyright Office vor, dass ihnen durch Lücken bei Content ID Umsatzeinbußen in Millionenhöhe entstünden. Momentan verhandeln die drei großen Labels Universal, Sony und Warner Music über neue Nutzungsverträge mit YouTube. (jk)