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Populäre Poker-Website verliert Glücksspiel-Lizenz

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Full Tilt Poker, einer der größten virtuellen Pokerräume weltweit, ist derzeit nicht aktiv. Auf dem auch von Deutschland aus erreichbaren Portal werden "Wartungsarbeiten" als Grund angegeben. Tatsächlich aber hat die zuständige Glücksspielkommission der britischen Kanalinsel Alderney, auf der Full Tilt Poker angesiedelt ist, dem Unternehmen die Lizenz entzogen. Hintergrund sind laut Mitteilung (PDF-Datei) der Gambling Control Commission (GCC) auf Alderney Ermittlungen des New Yorker Generalstaatsanwalts. Im öffentlichen Interesse hätten sie einen sofortigen Lizenzentzug erfordert. Für den 26. Juli ist in der Sache eine Anhörung anberaumt.

Full Tilt Poker ist nach PokerStars die zweitgrößte Pokerplattform. Laut Wall Street Journal setzen die beiden jährlich zusammen 5 Milliarden US-Dollar um. Dort sind auch einige Profis aktiv, die mitunter auch in Poker-Fernsehsendungen auftreten. Die US-Justiz sorgte Mitte April dafür, dass die Websites von PokerStars und Full Tilt Poker, aber auch von Absolute Poker und Ultimate Bet in den USA geschlossen wurden. Ermittelt wird wegen angeblicher Geldwäsche, illegalem Glücksspiel und Bankbetrugs.

Die GCC hat laut Wall Street Journal die irische Firma Pocket Kings, die Softwaretochter von Full Tilt Poker, aufgefordert, keine Dienste mehr für die Firmenmutter zu leisten. Konkurrent PokerStars versucht seine Kunden zu beruhigen. Ihre Accounts und Einzahlungen seien nicht betroffen; die hier zuständige Glücksspielkommission der Isle of Man habe versichert, dass die von ihr erteilte Lizenz weiterhin gültig sei.

In den USA sind Online-Glücksspiele seit 2006 verboten. Gegen verschiedene Online-Poker-Anbieter war die New Yorker Staatsanwaltschaft vor zwei Jahren schon einmal vorgegangen. Über ihre europäischen Websites blieben die Online-Poker-Portale erreichbar, sie sollten dort jedoch Zugriffe aus den USA blockieren. Im Gegensatz zu PokerStars soll Full Tilt Poker Geld, das von Nutzern in den USA eingezahlt wurde, nicht zurückgezahlt haben. In diese Richtung hatte die GCC bereits ermittelt. (anw)