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Porno-Domain hängt am seidenen Regierungs-Faden

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Der Vorstand der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) wird die Bewerbung für die Rotlicht-Domain .xxx neu aufrollen. ICANN-Justiziar John Jeffrey hat beim 38. ICANN-Treffen am Donnerstag in Brüssel einen für Freitag vorbereiteten entsprechenden Beschluss der Vorstandsmitglieder vorgestellt. Sollte die ursprünglich von ICM Registry eingereichte Bewerbung noch aktuell sein, werde ICANN Vertragsverhandlungen über den Betrieb von .xxx aufnehmen, teilte Jeffrey mit. Die Entscheidung folgt dem Urteil eines internationalen Schiedsgerichts, das die Ablehnung der Rotlicht-Domain durch die ICANN als unzureichend beurteilt hatte.

Der ICANN-Vorstand räumt nun ein, dass seine Beurteilung von .xxx nicht einem neutralen, objektiven und fair dokumentierten Verfahren entsprochen habe. Vor einer endgültigen Entscheidung kommen allerdings noch einmal die Regierungen ins Spiel – es sei denn, der Vorstand wagt es, die Porno-Domain auf Basis der bereits vorliegenden Stellungnahmen des Regierungsbeirates durchzuwinken. Die Regierungen – insbesondere der USA – hatten .xxx den Weg in die Rootzone des DNS hartnäckig versperrt.

Der ICANN-Vorstand unter Vinton Cerf hatte sich damals dem Druck der Regierungen gebeugt und anschließend das teure Gerichtsverfahren hinnehmen müssen. Rund 8 Millionen US-Dollar haben ICANN und ICM laut dessen CEO Stuart Lawley für dieses Verfahren ausgegeben. Mit Blick auf die neuen Top-Level-Domains hat ICANN prophylaktisch Kosten für Rechtsstreitigkeiten einkalkuliert; ein Teil der Bewerbungsgebühr in Höhe von 185.000 Dollar soll dieses Risiko abdecken.

Lawley wollte das Vorgehen der ICANN vorerst nicht kommentieren. Er wolle den endgültigen Beschluss in der Vorstandssitzung am Freitag abwarten, sagte der ICM-Chef gegenüber heise online. Ebenfalls bedeckt hielt sich Heather Dryden, die frisch gebackene Interims-Vorsitzende des ICANN-Regierungsbeirates, und verwies auf Stellungnahmen der Regierungen aus den Jahren 2006 und 2007 (PDF Dateien). Darin hatten die Regierungen jeweils bemängelt, ICM Registry entspreche nicht den Anforderungen, die die ICANN an für Top-Level-Domains verantwortliche Organisationen stellt. (vbr)