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Prämiertes und Überraschendes: Die Highlights der Ars Electronica 2018

Auf der Ars Electronica wurden die Besucher auch 2018 wieder überrascht und zum Nachdenken angeregt.

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Prämiertes und Überraschendes: Die Highlights der Ars Electronica 2018

(Bild: Dorothea Cremer-Schacht)

Die Ars Electronica präsentiert nicht eine einzelne Ausstellung, sondern viele verschiedene an unterschiedlichen Orten in der Stadt. Lohnenswert ist ein Blick auf die offiziell prämierten und mit dem Prix Ars Electronica, der "Goldenen Nica", ausgezeichneten Werke, aber auch abseits davon gab es eine Vielzahl von Projekten die überraschten.

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In der Kategorie "Digital Communities" etwa wurde dem Projekt Bellingcat von Eliot Higgins die Goldene Nica verliehen. Diese "Open Source Investigation" wertet öffentlich zugängliche Quellen aus, um dem Wust von Fake-News und Verschwörungstheorien im Netz wie auch in den etablierten Medien ein Stück seriöser Recherche entgegenzuhalten. Ein virtuelles Netzwerk von Fachleuten wertet beispielsweise Videos oder Satellitenbilder aus, um bei schwierigen Fragen wie zur Giftgasbombardierung in Syrien oder dem Abschuss der MH-17 in der Ukraine einen Pol verlässlicher Information zu etablieren.

Es bleibt nicht aus, dass so eine Initiative auch kritisiert wird, zum Beispiel vom Medienjounralisten Stephan Niggemeier. Higgins legt im Gespräch seine Finanzquellen offen, zu denen auch der nicht unumstrittene George Soros gehört. Leider ist es auch bei Bellingcat so, dass man nicht der Mühe enthoben wird, tief in die Details einzudringen. Hier knüpft das Projekt Visual Forensic von Adam Harvey an. Es entwickelt Hilfsmittel, die der technisch Versierte einsetzen kann, um selbst investigativ tätig zu werden.

In der Kategorie "Interactive Art+" wurde das Projekt "BitSoil Popup Tax and Hack Campaign" mit der Goldenen Nica ausgezeichnet. Die LarbitsSisters (Bénédicte und Laure-Anne Jacobs) aus Belgien haben eine Webseite geschaffen, die mit Bots versucht, Webtraffic zu erzeugen und vorgibt, den Benutzer an der Wertschöpfung durch Datensammeln zu beteiligen. Die Animationen sind gut gestaltet und in der Ausstellung steht auch eine ästhetische Maschine, die dampft und BitSoil-Tickets druckt, wenn auf der Webseite was passiert. Doch wirkt das Ganze sehr bemüht.

Irgendwie soll etwas Gutes getan werden. Die Idee, so die Macherinnen, kam ihnen beim Anblick von Migranten in Brüssels Straßen, die mittellos sind, während die Internetfirmen mit unseren Daten Unsummen verdienen und es den EU-Ländern nicht gelingt, Steuern abzugreifen. So ein Projekt hätte man auch bei U19 erwarten können. Die jedoch hatten anderes im Sinn. Die Preisträger, die vier Jungen von der Berufsschule HTL Spenglergasse in Wien, haben ein Computerspiel geschaffen, das Virtuelle Realität und 2D-Bildschirmwelt zusammenbringt.

Die Highlights der Ars Electronica 2018 (8 Bilder)

Was "sieht" eigentlich ein autonomes Auto?
(Bild: Dorothea Cremer-Schacht)


Die Kategorie "Computer Animation" gehört zu den ältesten und sowohl die mit der Goldenen Nica prämierte Arbeit von Mathilde Lavenne als auch die beiden Auszeichnungen sind sehenswert. Lavennes Film Tropic basiert auf 3D-Laserscans und das aus Punktwolken bestehende Bild zeigt die aufgenommenen Szenen als Schichten und unterstützt so die Geschichte, die ihrerseits Schichten aus der Vergangenheit offenlegt. Boris Labbé/FR zeigt in La Chute animierte Tuschezeichnungen, die beeindruckende und bedrückende Erinnerungen an Hieronymus Bosch wecken. Sowohl im Freilichtkino des OK (Offenes Kulturhaus) als auch im angeschlossenen Kino liefen hunderte von Kurzfilmen, die jeder für sich eine eigene Welt erzeugen. Insbesondere wenn die Füße schmerzen, lohnte ein kurzer Aufenthalt, der dann oft länger wird.

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