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Pre5G: Österreichische Mobilfunker testen neue Netztechnik

Die österreichischen Mobilfunk-Netzbetreiber streben nach 5G. Drei hat Verbindungen mit ganz vielen Antennen getestet, während A1 drei Frequenzbänder kombiniert hat. Davon sollen Kunden bereits nächstes Jahr profitieren.

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Hallstatt, Österreich

Auch in Hallstatt gibt es LTE, und zwar von Drei.

(Bild: gemeinfrei)

Die österreichischen Mobilfunk-Netzbetreiber A1 und Drei bereiten sich auf die Einführung neuer Mobilfunk-Technik unter dem Schlagwort 5G vor. Drei kooperiert mit dem chinesischen Ausrüster ZTE, während A1 mit Nokia Networks zusammenarbeitet. Das letztgenannte Paar hat es im kommerziell genutzten LTE-Netz geschafft, ein halbes Gigabit pro Sekunde zu einem Endgerät zu senden. Ein Teil der dabei getesteten Technik soll schon kommendes Jahr Endkunden zu Gute kommen.

"Beweisfoto" von A1

(Bild: A1)

Für die Übertragung wurden gleichzeitig Trägerwellen aus den drei Frequenzbereichen 800 MHz, 1800 MHz und 2600 MHz genutzt ("Triple Carrier Aggregation"). Gleichzeitig kam das Modulationsverfahren 256 QAM zum Einsatz. Beides ist in dem im März 2015 fertiggestellten 3GPP-Release 12 vorgesehen und damit Teil von LTE-Advanced, einer Stufe auf der Leiter von LTE zu 5G. 256 QAM ist sehr effizient bei der Informationsübertragung pro MHz Signalbreite, ist dabei aber sehr störanfällig. Vereinfacht ausgedrückt benötigt 256 QAM ein sehr gutes Funksignal.

Dieses haben A1 (Telekom Austria) und Nokia im A1-Netz auf dem Gelände der Universität Klagenfurt erzeugen können. Zu einem mobilen Router wurden dann 513 Mbit/s geschickt, zu einem Smartphone, das bauartbedingt kleinere Antennen hat, immer noch 463 Mbit/s. "Bereits 2017 werden wir Tripple Carrier Aggregation punktuell in Österreich einsetzen", kündigte A1 Technikvorstand Marcus Grausam am Dienstag an. "Sobald genügend kompatible Endgeräte verfügbar sind, werden wir die Technik dort anwenden, wo besonders viel Kapazität im Netz gebraucht wird." Das werden insbesondere ausgewählte städtische Bereiche sein.

Vergangene Woche hatte Drei (Hutchison Drei Austria) berichtet, durch den Einsatz vieler Antennen (Massive Multiple Input Multiple Output) die Kapazität von Funkzellen auf das Vier- bis Sechsfache üblicher LTE-Mobilfunkzellen gesteigert zu haben. Den Angaben zu Folge handelte es sich um den ersten Test einer Massive-MIMO-Implementierung in Europa. Die als "Pre5G"-bezeichnete Teststellung wurde auf einem Drei-Grundstück im Wiener Bezirk Floridsdorf umgesetzt.

Jae-yoon Park, SVP Korea Telecom, kündigte im Juni an, sein Unternehmen werde die Olympischen Winterspiele 2018 für einen großen 5G-Test nutzen.

(Bild: Friederike Maier)

Zuvor hatte Lieferant ZTE das schon in China, Japan und Südkorea demonstriert. Massive MIMO ist ein Beitrag, um mit den zur Verfügung stehenden Mobilfunkfrequenzen die rasant steigenden Datenmengen abführen zu können. Ab etwa 2020 will Drei seinen Kunden Datenraten von bis zu zehn Gbit/s ermöglichen.

Die österreichische Bundesregierung will Österreich zum 5G-Vorzeigeland in Europa machen. Das Land war lange Jahre durch harten Wettbewerb auf dem Mobilfunkmarkt gekennzeichnet. Das führte zu einem technischen wie abdeckungsmäßigen Wettrüsten unter den Netzbetreibern bei gleichzeitig sehr niedrigen Tarifen. Bereits 2003 hatte mehr als die Hälfte aller Österreicher an ihrem Wohnsitz ein UMTS-Signal. Nach der Übernahme von tele.ring durch T-Mobile Austria sowie von Orange durch Drei ist der Wettbewerb inzwischen nicht mehr so intensiv wie einst. Dennoch gibt es heute an fast jedem Wohnsitz LTE. (ds)

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