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Preis für die bündigste Wissensrepräsentation

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Der Physiker und Informatiker Marcus Hutter vom Schweizer Dalle Molle Institut für Künstliche Intelligenz hat einen mit mindestens 500 und maximal 50.000 Euro dotierten Preis für die verlustfreie Kompression von Wissen ausgeschrieben. Die Idee geht auf eine Einsicht des mittelalterlichen Philosophen Wilhelm von Ockham zurück. Der 1285 geborene Franziskanermönch würde für das Ockhamsche Rasiermesser oder Sparsamkeitsprinzip berühmt. Demnach darf eine Hypothese nicht mehr Annahmen enthalten als sie unbedingt benötigt oder im Ockhamschen Sinne ausgedrückt: Einfacher ist besser.

Marcus Hutter zeigte im Jahre 2000, dass dies ein grundlegendes Prinzip der Intelligenz sei. Hutters Idee macht mithin den Grad künstliche Intelligenz messbar: Sie erreicht dies, indem sie misst, wie kurz gefasst ein System Weltwissen repräsentiert. Hutter zeigte, dass das knappste Modell, die Welt zu beschreiben, nicht nur das eleganteste und speichereffizienteste Modell darstellt, sondern dass es auch die genauesten Vorhersagen erlaubt, und daher folgerichtig das intelligenteste ist.

Beim von Hutter ausgesetzten Preis geht es konkret um die Aufgabe, eine 100 MByte große Datei mit Wikipedia-Texten verlustfrei auf weniger als 18 MByte in Form eines selbstausführenden Archivs zu komprimieren. Die Höhe des Preises hängt davon ab, um wie viel kleiner das erstellte Archiv im Verhältnis zur Zielmarke von 18 NByte ist. 50.000 Euro zu erhalten ist also praktisch unmöglich. Die englischsprachige Wikipedia sei eine gute Momentaufnahme menschlichen Wissens. Eine zum Download bereit stehende ZIP-Datei ist 35 MByte groß. Bis zur Zielmarke ist es also noch ein weiter Weg. Der Geldpreis soll als Anreiz dienen und das Wissen über Kompression und linguistische Modellierung vermehren. (akr)

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