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Preise für Datenkraken werden am 1. April in Bielefeld vergeben

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Am kommenden Freitag werden in Bielefeld zum elften Mal die Big Brother Awards verliehen, jene Negativpreise für Arbeitgeber, Firmen, Behörden und Politiker, für die der Datenschutz und die Absicherung der Privatsphäre eine geringe Rolle spielt. Ab 18 Uhr sollen Datenschutzverletzter in der Hechelei im Rahmen einer launigen Kleinkunst-Show ausgezeichnet werden, die via Streaming auch im Internet zu sehen sein soll. Mindestens ein Preisträger hat sein Kommen zugesagt, bei anderen gibt es Verhandlungen zwischen der deutschen Niederlassung und den Konzernzentralen, ob man nach Bielefeld darf.

Zehn Jahre lang wurden die deutschen Big Brother Awards im Herbst vergeben. Diesmal ist die Preisverleihung für den Jahrgang 2010 in das Frühjahr 2011 gerutscht. Schuld daran sei eine gewisse Arbeitsüberlastung, die positiv gesehen wird, wie der Veranstalter FoeBuD verlauten lässt: "In Deutschland existiert die weltweit größte Bewegung für Datenschutz und Gestaltung des virtuellen öffentlichen Raums. Vor einem Jahr wurde vom 17. Deutschen Bundestag die 'Enquête-Kommission Internet und Digitale Gesellschaft' einberufen, in der zwei Juroren der BigBrotherAwards und mehrere FoeBuD-Mitglieder Ratschläge für Parlamentarier zusammen tragen."

Wie üblich werden die Awards von einer Jury in verschiedenen Kategorien vergeben. Über die Jahre hinweg haben sich Arbeitswelt, Behörden und Verwaltung sowie die hohe Politik als zuverlässige Preisträger erwiesen, die mit zahlreichen Einsendungen aufmerksamer Bürger bedacht werden. Was bis zum Jahresende 2010 eingesandt wurde, haben Vertreter des FoeBuD zusammen mit der Jury gesichtet, die von Mitgliedern der Deutschen Vereinigung für Datenschutz, dem Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung, dem Förderverein Informationstechnik und Gesellschaft, dem Chaos Computer Club, der Humanistischen Union und der Internationalen Liga für Menschenrechte gebildet wird.

Begleitet vom Duo Mai Tai soll Moderator Andreas Leipold die Preisträger vorstellen, während die Laudationen von Mitgliedern der beteiligten Organisationen vorgetragen werden. Erstmals soll ein nicht an einen Preis gebundener Vortrag das 5 Euro Eintritt zahlende Publikum erheitern: Der Linguistik-Professor Martin Haase will sich wie bereits beim Kongress des Chaos Computer Clubs mit dem politischen Neusprech befassen. Dieses von George Orwell in seinem Roman "1984" geprägte Newspeak von Big Brother hat anscheinend immer noch Konjunktur, wenn es etwa heißt, dass sich die atomare Katastrophe von Fukushima noch monatelang hinziehen werde, ohne Angabe, wie viele Millionen Monate gemeint sind. (anw)