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Premiere: Robotik-Wettbewerb MBZIRC startet in Abu Dhabi

Bis Samstag treffen sich in Abu Dhabi einige der renommiertesten Robotikforscher der Welt um sich gegenseitig beim MBZIRC zu messen. Es ist das erste Mal, dass die örtliche Khalifa University den Wettbewerb veranstaltet.

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Premiere: Robotik-Wettbewerb MBZIRC startet in Abu Dhabi

(Bild: Hans-Arthur Marsiske)

In Abu Dhabi treffen sich in dieser Woche einige der angesehensten Robotikforscher der Welt, um beim Wettbewerb MBZIRC (Mohamed Bin Zayed International Robotics Challenge) die Fähigkeiten ihrer fliegenden und fahrenden Roboter unter Beweis zu stellen. Auf dem Programm stehen Aufgaben zur Kooperation und zur Manipulation, die beim Finale am Samstag zu einer Grand Challenge zusammengefasst werden sollen. Für die besten Teams stehen Preisgelder in Höhe von insgesamt fünf Millionen US-Dollar zur Verfügung.

Benannt nach dem Kronprinzen von Abu Dhabi und organisiert von der örtlichen Khalifa University, wurde der Wettbewerb vor gut zwei Jahren ausgerufen. „Die dabei gestellten Aufgaben werden die Teilnehmer ein wenig über den gegenwärtigen Stand der Technik hinausdrängen, sodass für den Erfolg neue Entwicklungen und Entdeckungen nötig sein werden“, sagte damals der Präsident der Khalifa University, Tod Laursen. „Wir glauben, dass ein wenig Dreistigkeit bei der Formulierung der Aufgaben den Schlüssel zum Innovationsprozess darstellt.“

Wie dreist die Organisatoren tatsächlich waren, wird sich ab Donnerstag zeigen, wenn der offizielle Wettbewerb beginnt. Bis dahin haben die Teams zwei Tage Zeit, ihre Systeme auf dem Wettkampfgelände zu testen. Jedem Team stehen dafür täglich zwei Zeitfenster zur Verfügung. Sven Behnke, der mit dem Team NimbRo von der Universität Bonn teilnimmt, sieht in dieser vergleichsweise kurzen Testphase die eigentliche Herausforderung. Die Aufgaben selbst, so Behnke, erschienen ihm grundsätzlich lösbar.

Die erste Aufgabe besteht darin, einen fliegenden Roboter autonom auf der Landefläche eines Fahrzeugs landen zu lassen, das einen Kurs in Form einer Acht abfährt. Da die Landezone markiert ist, dürfte ihre visuelle Erkennung und Verfolgung keine allzu großen Probleme bereiten. Behnke schätzt, dass die besten Teams diese Aufgabe in etwa zehn Sekunden lösen könnten.

Robotik-Wettbewerb MBZIRC startet in Abu Dhabi (8 Bilder)

Das Team von der Université Paris-Saclay nimmt nur an der zweiten Challenge teil, bei der es um das Schließen eines Ventils geht. Ihr Roboter, sagen die Pariser stolz, sei der einzige im Wettbewerb, der komplett selbst gebaut sei. Seine Spitzengeschwindigkeit liegt bei 120 km/h. Ob das einen Wettbewerbsvorteil bedeutet, wird sich zeigen… (Bild: Hans-Arthur Marsiske
)

Etwas länger dürften sie für die zweite Aufgabe brauchen, bei der es darum geht, zunächst ein Armaturenbrett zu finden. Hier gilt es, ein Ventil zu schließen, indem es mit einem Schraubenschlüssel einmal um 360 Grad gedreht wird. Der Roboter muss das geeignete Werkzeug auswählen und handhaben können. Hierfür dürfte nach Behnkes Schätzung mindestens eine Minute erforderlich sein.

Am schwersten einzuschätzen ist die dritte Aufgabe, bei der mehrere fliegende Roboter verschiedene Objekte finden, einsammeln und an einen zentralen Ort transportieren sollen. Die Teilnehmer sind vorab informiert worden, dass es sich um Objekte handelt, die sich mithilfe eines Magneten greifen lassen. Sie sind farbig markiert, haben aber unterschiedliche Größen und bewegen sich teilweise auch. Ein Video, das die Aufgaben beschreibt, legt nahe, dass manche Gegenstände die Kooperation mehrerer Flugroboter erfordern könnten, um sie gemeinsam zu transportieren.

Quelle: MBZ IRC

Eine Fernsteuerung der Roboter ist grundsätzlich zugelassen, wird aber mit so viel Strafpunkten belegt, dass die vorderen Plätze bei diesem Wettbewerb, der zukünftig alle zwei Jahre ausgetragen werden soll, nur mit autonomen Robotern erreichbar sein dürften. Von den 25 Teams, die es in die Endausscheidung geschafft haben, nehmen nicht alle in allen Wettbewerbskategorien teil. Unter den 14 Teams, die den kompletten Wettkampf bestreiten wollen, sind neben NimbRo und dem anderen deutschen Team MASKOR von der FH Aachen noch einige weitere hochkarätige Forschungseinrichtungen wie etwa die ETH Zürich, das Georgia Institute of Technology, das Korea Advanced Institute of Science and Technology oder die University of New South Wales vertreten. Das sind gute Voraussetzungen für ein spannendes Turnier.

Nicht nur für die Teilnehmer ist der Wettbewerb eine Herausforderung, sondern auch für die Organisatoren. So scheint der Zeitplan zur Premiere sehr dicht gestaffelt zu sein und wenig Raum für Verzögerungen und andere Unwägbarkeiten zu bieten. Es wird sich zeigen, wie die Veranstalter mit den Pannen, die unvermeidlich auftreten werden, zurechtkommen. Am kommenden Sonntag gibt es bei einem wissenschaftlichen Workshop dann die Gelegenheit, erste Erfahrungen und Lehren zu formulieren. Vorher sind aber erst mal die Roboter dran.

(Hans-Arthur Marsiske) / (msi)

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