Menü

Prime Air: Amazon will in wenigen Monaten per Drohne ausliefern

Amazon hat eine Lieferdrohne entwickelt, die durch ihr ungewöhnliches Design hervorsticht und über viel Onboard-Intelligenz verfügt.

Lesezeit: 2 Min.
In Pocket  speichern vorlesen Drucken Kommentare lesen 88 Beiträge

(Bild: Amazon)

Von

Der Online-Händler Amazon hat auf der re:Mars-Konferenz in Las Vegas eine Hexakopter-Lieferdrohne vorgestellt, die in einigen Monaten erste Pakete ausliefern soll. Geplant ist beim Prime-Air-Service zunächst testweise kleinere Haushaltswaren wie Zahnpasta oder Rasierklingen auszuliefern, gab Amazon am Mittwoch bekannt. Außergewöhnlich sind das unkonventionelle Design der Drohne und die aufwendige Künstliche Intelligenz (KI) an Bord. Letztere soll für eine möglichst hohe Sicherheit im vollautomatischen Flugbetrieb und beim Liefervorgang sorgen.

Die Größe der Lieferdrohne lässt sich nur abschätzen. Hier bei der Präsentation von Jeff Wilke, CEO von Amazon Worldwide Consumer.

(Bild: Amazon)

Die offensichtlich namenlose Amazon-Drohne ist schätzungsweise etwa 160 cm im Durchmesser groß. Amazon selbst macht dazu zwar keine Angaben, die Größe lässt sich aber über Fotos in etwa abschätzen. Angetrieben wird der Hexakopter von sechs Elektromotoren. Im Gegensatz zu herkömmlichen Drohnen ist die Antriebsebene nicht horizontal ausgerichtet, sondern stark angewinkelt. Damit sind vertikale Starts möglich, im Flugbetrieb kippt das Prime-Air-Fluggerät, um Fahrt aufzunehmen. Die in der Mitte fest aufgehängte Gondel, die Steuerungselektronik, Akku sowie kleine Pakete bis zu einem Gewicht von 2,3 kg aufnehmen kann, befindet sich im Flugmodus dann weitgehend horizontal ausgerichtet. Pakete sollen innerhalb von 30 Minuten nach Bestellung ausgeliefert werden. Als Reichweite gibt Amazon 24 Kilometer an.

Die Auslieferung soll die Drohne komplett autark erledigen. Bespickt mit allerlei Sensoren und einem GPS-System soll ein KI-Steuerungssystem für einen sicheren Flugbetrieb, Landung und Rückkehr zum Amazon-Stützpunkt sorgen. Nach Angaben des US-Technikmagazins Techcrunch soll die Hardware des Hexakopters, seine Sensorik und Intelligenz komplett von Amazon selbst entwickelt worden sein. Gur Kimchi, Vizepräsident von Amazon Prime Air, sagte gegenüber dem Magazin, dass man das Fluggerät so konzipiert habe, dass sich die gesamten Sicherheitsfunktionen an Bord befinden. Der Vorteil sei, dass die Drohne den Liefervorgang auch ohne ein Signal zur Bodenstation selbstständig und sicher ausführen könne.

Dabei sollen herkömmliche Kameras und Infrarotkameras helfen, die die Umgebung ständig überwachen. Weitere Sensoren sollen Kollisionen in der Luft vermeiden und sichere Landungen ermöglichen. Die bordeigene Intelligenz greift dabei auf Modelle maschinellen Lernens zurück. So können beispielsweise Menschen in der Landezone selbstständig erkannt werden. Die Auslieferung wird dann abgebrochen oder verzögert, bis die Prime-Air-Drohne sicher landen kann. Die Drohne entscheidet dabei selbst, welche Lösung die sicherste und damit vermeintlich richtige ist.

Die Amazon-Prime-Air-Lieferdrohne befindet sich noch im Testbetrieb. (Quelle: Amazon)


Zur korrekten Navigation erstellt die Drohne nach Angaben von Techcrunch eine Karte der Umgebung. Dies funktioniere über das VSAML-Verfahren (Visual Simultaneous Localization and Mapping). GPS zur Navigation wird dann für die Navigation nicht zwingend benötigt. Kimchi sieht darin eine besondere Sicherheit des Systems, das auch dann zur Basis zurückfindet, falls beispielsweise das GPS ausfallen sollte. Die Systeme seien redundant ausgelegt und würden unabhängig voneinander funktionieren, was die Sicherheit weiter erhöhe. Die Drohne verwende dabei mehr als ein Betriebssystem und mehrere CPUs. Die Entwicklung des KI-Systems und Simulationen des Flugkörpers hätten sehr viel Rechenzeit in der AWS-Cloud verschlungen, heißt es bei Techcrunch.

Den Ausfall von bis zu zwei Motoren könne das System ausgleichen. Im Notfall würde sich die Lieferdrohne einen geeigneten Landeplatz suchen. Aufgrund des Designs sei der Hexakopter laut Kimchi sogar in der Lage, mit wenig oder ohne eigene Antriebskraft wie ein Segelflugzeug zum Boden zu gleiten. Leise dürfte die Drohne aber nicht sein. Kimchi sagte dazu, dass die Drohne hörbar sei, sodass man den Landeanflug zur Auslieferung bemerken würde.

Wann genau und wo Amazon den Prime-Air-Service starten will, lässt das Unternehmen derzeit noch offen. In einigen Monaten soll es aber soweit sein. Die Drohne müsste dann auch eine Zulassung der zuständigen Luftfahrtbehörden erhalten. Bisher wurde Prime Air in Großbritannien getestet. 2016 erfolgte dort auch die erste Auslieferung eines Pakets mit einer (anderen) Drohne. Damals hatte ein Kunde innerhalb von 13 Minuten nach der Bestellung seine Lieferung erhalten: Sie enthielt einen Amazon Fire-TV-Stick sowie eine Tüte Popcorn. (olb)