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"Privacy Sandbox": Google sucht Kompromiss zwischen Werbung und Privatsphäre

Andere Browserhersteller fahren einen harten Kurs gegen Tracking. Google will personalisierte Werbung weiterhin ermöglichen und dafür neue Standards verhandeln.

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(Bild: mentatdgt/Shutterstock.com)

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Chrome-Hersteller Google will mit einer Reihe von Vorschlägen die Privatsphäre von Nutzern besser schützen und gleichzeitig personalisierte Werbung weiter ermöglichen.

Mit der Implementierung eines "Privacy Budgets" und eines neuen Identitätsmanagement sollen Browserhersteller gemeinsam wieder auf einen einheitlichen Stand kommen, wenn es um die Verarbeitung von Nutzerdaten geht.

Die Vorschläge sind der erste Schritt der im Mai angekündigten Privatsphäre-Initiative Googles und eine Antwort auf Vorstöße anderer Hersteller, den ungebremsten Datenhandel zu Werbezwecken einzuschränken. So hatte Apple bereits eine "Intelligent Tracking Protection" eingeführt, um das Zusammenführen von Nutzerdaten quer über verschiedene Websites zu erschweren. Der iPhone-Hersteller drohte Werbefirmen, die den Trackingschutz zu umgehen versuchten, sogar mit Strafen.

Solche Eskalationen sind nicht im Interesse von Google, das den Löwenanteil seiner Einnahmen durch personalisierte Werbung erzielt. "Die Versuche, die Privatsphäre der Nutzer zu verbessern, haben unvorhergesehene Folgen", führt Chrome-Manager Justin Schuh in einem Blogbeitrag aus. So habe die Blockade von Cookies dazu geführt, dass es einen Anstieg beim Browsers-Fingerprinting gebe.

Zum anderen gefährdeten solche Schritte die Finanzierung von journalistischen Angeboten. So habe der Werbe-Arm Googles in einer Stichprobe ermittelt, dass die Umsätze der Website-Betreiber bei nicht vorhandenen Cookies um 52 Prozent sinke. Damit stellt sich Google gegen die Ergebnisse einer im Juni veröffentlichten Studie, die wesentlich geringere Gewinne der Betreiber durch personalisierte Werbung sahen.

Insgesamt fünf verschiedene Vorschläge hat Google nun auf Github veröffentlicht. Die so genannte "Privacy Sandbox" setzt darauf, einen gangbaren Mittelweg zwischen Privatsphäre und Monetarisierung aufzuzeigen. So sollen Browser ein "Privacy Budget" verwalten, dass Websites eingeschränkten Zugriff auf Nutzerdaten gibt, so dass Nutzer etwa in eine Werbezielgruppe einsortiert werden, aber nicht persönlich identifiziert werden können. Google sieht auch die Einrichtung zentraler Identitätsdienstleister vor, die per API beschränkten Zugriff auf Nutzerdaten bieten und den Nutzer über die weitergegebenen Infos informieren. Plattformen wie Verimi verfolgen einen ähnlichen Ansatz.

Anhand dieser Vorschläge soll nun die Diskussion unter Entwicklern um die Zukunft der Webbrowser und ihren Umgang mit der Privatsphäre der Nutzer beginnen. Langfristig strebt Google einen Standardisierungsprozess an, dem sich alle wesentlichen Browser-Hersteller anschließen sollen. Mit ähnlichen Initiativen auf Seiten der Datenverwender hatte Google bisher nur eingeschränkten Erfolg.

Die Werbepraxis des "Programmatic Advertising" ist von vielen Seiten unter Beschuss. So hat die Werbeorganisation IAB Europe in dieser Woche eine überarbeitete Version seiner Richtlinien zum Erheben von Nutzerdaten gemäß der Datenschutzgrundverordnung veröffentlicht, die mehr Transparenz für Nutzer schaffen soll. Mit der britischen Datenschutzbehörde, die die Datenweitergabepraxis für unzulässig erklärt hatte, befinde man sich in weiteren Gesprächen, betonte die IAB Europe. (bme)