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Private Mails des syrischen Präsidenten veröffentlicht

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Regierungsgegner sollen der britischen Zeitung The Guardian mehrere tausend E-Mails zugespielt haben, die anscheinend aus dem Privatbesitz des syrischen Staatschefs Bashar al-Assad und seiner Frau stammen. Die Zeitung geht nach einer Prüfung von der Echtheit der E-Mails aus und veröffentlichte am Mittwoch zusammenfassende Erkenntnisse aus den Unterlagen.

Die syrische Regierung geht seit fast einem Jahr mit militärischer Gewalt gegen Oppositionelle im eigenen Land vor und steht dafür international in der Kritik. Die UNO schätzt die Zahl der Toten auf mittlerweile mehr als 8000. Zu der Frage wie man mit dem Aufstand und der weltweiten Kritik umgehen solle kontaktierte der syrische Präsident offensichtlich mehrmals den Iran und erhielt so den Rat, in Reden "brutale" Sprache zu verwenden und die militärische Macht seiner Regierung herauszustellen.

Baschar Hafiz al-Assad, Präsident von Syrien

(Bild: cc-by Fabio Rodrigues Pozzebom/ABr )

Dies geht genauso aus den E-Mails hervor wie viele weitere interne Details über den syrischen Herrscherzirkel. Während Assad unter öffentlichem Druck Reformen, Parteien und freie Medien versprach, nannte er diese Veränderungen intern laut der vom Guardian veröffentlichten Mails "Mist" (“rubbish“). Auch aus Qatar soll er demnach einen gut gemeinten Rat erhalten haben: Die Tochter des Emir soll ihm geschrieben haben, dass es wohl das Beste sei, wenn er freiwillig ins Exil geht, bevor es zu einer gewaltsamen Entmachtung kommt.

Neben den diversen politischen Einblicken lassen sich aber auch private Dinge der Eheleute Assad aus den Mails erfahren. So umgingen anscheinend sowohl Bashar al-Assad, als auch seine Frau Asma internationale Sanktionen und bezogen Waren aus dem Ausland über Mittelsmänner. Während er sich unter anderem für Musik und Apps von iTunes interessierte, bezog seine Frau auf diese Weise Haushaltsgegenstände und Möbel.

Mit der Mailadresse sam@alshahba.com kommunizierte der syrische Präsident Assad offenbar über Jahre mit ihm vertrauten Beratern. Laut Angaben des Guardian wurden die Mailadressen und Passwörter der Assads bereits im März 2011 von einem Regierungsmitarbeiter handschriftlich abgeschrieben und an Oppositionelle weitergeleitet. Es dauerte allerdings mehrere Monate bis die Daten auch Leute erreichten, die sie zum Mitlesen des Mail-Verkehrs nutzen konnten.

Für die Gegner Assads stand dabei im Vordergrund, die in den E-Mails enthaltenen Informationen zu nutzen. So konnten in mehren Fällen Regimegegner sowie ausländische Journalisten vor einem drohenden Zugriff durch Regierungstruppen gewarnt werden. Nachdem Mitglieder von Anonymous im Januar Server der syrischen Regierung gehackt und unter etwa 80 Mailadressen auch die “Sam“-Adresse erbeutetet hatten, endete jegliche Kommunikation über diese Adresse. Daher entschlossen sich die Aktivisten zu einer Veröffentlichung des gesammelten Materials. (jub)

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