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Privater bemannter Raumflug: Virgin Galactic verschiebt Jungfernflug

Zu Weihnachten wolle Sir Richard Branson mit seinen Kindern den ersten privaten bemannten Raumflug von Virgin Galactic ins All besteigen, im Frühjahr 2014 sollten die ersten zahlenden Passagiere folgen. Diesen optimistischen Zeitplan kann Virgin Galactic nicht einhalten. Derzeit scheint unklar zu sein, ob und wann es wirklich losgeht.

Vergangene Woche hatte Branson jene zirka 640 wohlhabenden Personen in die Mojave-Wüste in Kalifornien geladen, die bereits ein Ticket gekauft oder zumindest eine Anzahlung geleistet haben. Berichten zu Folge kamen gut 300, um sich über den Stand des Projekts zu informieren. In Kalifornien wird das Tandem aus dem Trägerflugzeug WhiteKnightTwo (WK2) und dem Raumgleiter SpaceShipTwo (SS2) entwickelt, der kommerzielle Betrieb soll am am Spaceport America in New Mexico abgewickelt werden.

Die Virgin-Galactic-Kunden mussten zur Kenntnis nehmen, dass der Jungfernflug über die Kármán-Linie in den Februar verschoben wurde. Damit rückt auch die Aufnahme des kommerziellen Betriebs in eine fernere Zukunft. Die Veranstaltung stand unter keinem guten Stern: Der geplante Demonstrationsflug in niedrigen Höhen musste aufgrund sehr starker, böiger Winde abgesagt werden. Laut einem Bericht von Time hätten aber auch gut erprobte Flugzeuge nicht starten können.

Die Website Parabolic Arc hat noch weit schlechtere Nachrichten für die prospektiven Weltraumtouristen. Unter Berufung auf nicht genannte Insider berichtet sie von massiven Problemen mit dem Hybrid-Raketenantrieb des SS2. Die Bezeichnung "Hybrid" trägt der von der Sierra Nevada Corporation gelieferte Raketenantrieb deshalb, weil dabei Treibstoff in fester Form (gummiartiges Hydroxyl-terminiertes Polybutadien, HTPB) mit einem flüssigen Oxidator (N2O, auch als Lachgas bekannt) reagiert.

Am Spaceport America wird es noch länger ruhig bleiben.

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

"Ein Flug im Februar ist möglich", gibt Parabolic Arc einen feixenden Eingeweihten wieder, "aber vielleicht nicht 2014." Denn die Triebwerke wurden noch nie über die volle erforderliche Dauer gezündet. Und selbst wenn das funktioniert, würde die Schubkraft den Quellen zu Folge nicht ausreichen, um SS2 mitsamt sechs Passagieren über die Kármán-Linie zu schießen. Massive Änderungen am Antrieb dürften wiederum Änderungen am Raumgleiter und vielleicht sogar am Trägerflugzeug nach sich ziehen.

Wie auch immer das fertige Paket aussieht, muss es auch noch von der Flugsicherheitsbehörde FAA genehmigt werden. Und mit Genehmigungen kommerzieller Raumflieger für Touristen hat noch niemand Erfahrung.

Der verschobene Starttermin ist auch eine schlechte Nachricht für den Spaceport America. Den laufenden Kosten stehen nämlich kaum Einnahmen gegenüber. Und auch der in der Region erhoffte Touristenstrom wird sich wohl erst einstellen, wenn ein regelmäßiger Flugbetrieb aufgenommen wird.

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