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Pro Atomkraft: Kernenergie war, ist und bleibt alternativlos

An der Atomenergie scheiden sich die Geister: Die Konservativen preisen die Vorzüge der Kernspaltung, während man im alternativen Spektrum das nukleare Feuer fürchtet. Beiden Seiten täte es gut, ihre ideologischen Scheuklappen abzulegen.

Pro Atomkraft:  Kernenergie war, ist und bleibt alternativlos

(Bild: Heise, unter Verwendung einer Grafik von Seamartini Graphics/Fotolia.com )

Ich bin ein Kind der Tschernobyl-Generation und meine Erinnerungen an den großen Knall in der Ukraine, oder besser gesagt an die damaligen Fernsehbilder, sind durchaus präsent. Die damalige Verteidigungslinie der heimischen Atomwirtschaft lautete: Das ist nur passiert, weil die im Ostblock so schlampig arbeiten. Als den gut organisierten Japanern in Fukushima ähnliches widerfuhr, war diese These nicht mehr zu halten. Es ist eine Tatsache, dass derzeit niemand die Atomenergie wirklich beherrscht. Das sollte sich in Zukunft aber dringend ändern, denn sie ist von allen bekannten Methoden der Energieerzeugung noch das kleinste Übel.

Die Kernenergie ist eine Technik voller Widersprüche. Man kann damit auf kleinem Raum Strom für Millionen erzeugen, ein GAU à la Fukushima kann aber auch ganze Landstriche dauerhaft unbewohnbar machen. Atomkraftwerke verursachen im Betrieb keine CO2-Emissionen, und das ist im Zeitalter der globalen Erwärmung sicher kein Nachteil. Wenn man sich den gesamten Produktionsprozess der Kernenergie ansieht, kann von sauberer Energie aber keine Rede sein. Schon beim Uranabbau werden riesige Flächen kontaminiert. Selbst wenn  ganz großen Katastrophen wie Tschernobyl ausbleiben, so ist auch der laufende Betrieb von Atomkraftwerken immer ein Ritt auf Messers Schneide.

Im übrigen sind derart hochkomplexe Anlagen gegenüber Manipulationen kaum wirksam abzusichern. Im Zeitalter des weltweiten Terrorismus sind Atomkraftwerke naheliegende Angriffsziele. Gegen gezielte militärische Angriffe oder technisch ausgefeilte Attacken à la Stuxnet ist ohnehin kein Kraut gewachsen.

Großer Nutzen und großer möglicher Schaden gehen bei der Atomtechnik also immer Hand in Hand. Das spricht aber nicht zwingend gegen Atomenergie, das gilt für viele Errungenschaften der Moderne. Ein gutes Beispiel dafür ist das Automobil.

Der WHO zufolge sterben jedes Jahr weltweit 1,25 Millionen Menschen im Verkehr. Die unzähligen Folgeschäden durch Emissionen, Lärm und Umweltzerstörung sind da noch gar nicht einkalkuliert. Dennoch kommt niemand auf die Idee, das Auto grundsätzlich in Frage zu stellen. Durch den Trend zur Elektromobilität wird der globale Stromhunger in absehbarer Zeit auch noch deutlich zunehmen.

Dann kommt zwangsläufig wieder die Atomenergie ins Spiel, denn ernsthafte Alternativen zur Kernkraft gibt es nicht. Alternative Energien wie Windkraft und Solarenergie sind nicht grundlastfähig. Wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint, bleibt die Steckdose ohne Strom. Mit Pumpspeicherkraftwerken kann man die Problematik auch nur unzureichend entschärfen. Im übrigen würde ein flächendeckender Ausbau von Pumpspeicherkraftwerken wohl kaum den Beifall der Bevölkerung finden. Derzeit scheint ja schon der Bau von ein paar Stromleitungen Stichwort Südlink politisch kaum durchsetzbar zu sein.

In früheren Zeiten wäre das alles kein Problem gewesen, da hat man sich dem Zyklus der Natur angepasst. Die Wäsche wurde von Hand gewaschen und dann zum Trocknen aufgehängt, wenn draußen die Sonne schien. Heute haben Waschmaschine und Wäschetrockner auf Knopfdruck zu funktionieren und zwar rund um die Uhr.

Kompromisslose Konsumwünsche der Bevölkerung und kompromissbehaftete alternative Energien, das geht beim besten Willen nicht zusammen.

Fossile Energieträge sind zwar grundlastfähig, sie sondern im Gegensatz zur Atomenergie aber im laufenden Betrieb erhebliche Mengen des klimaschädlichen Kohlendioxids ab. Sie führen im laufenden Betrieb über kurz oder lang mit absoluter Sicherheit in die Katastrophe. Bei der Atomenergie sind schädliche Auswirkungen größeren Ausmaßes zumindest im Normalbetrieb erst einmal eine abstrakte mathematische Größe.

In anderen Ländern fürchtet man die Risiken der Kernenergie weniger als in Deutschland, sie boomt weltweit. Atomkraft ist so unglaublich vielseitig. Man kann mit ihr nicht nur den Stromhunger der Zivilbevölkerung befriedigen, sondern auch den Machthunger der Militärs. Es ist ein sorgsam gepflegter Mythos, dass man die zivile Nutzung der Atomkraft von der militärischen Nutzung trennen kann. Beides geht doch Hand in Hand. So bietet der Iran beispielsweise ideale Bedingungen für Sonnenenergie. Und trotzdem leistet sich das arme Land ein teures Atomprogramm. Der grünen Energie mangelt es schlichtweg an militärischer Durchschlagskraft. Allein deswegen wird es nie zu einer globalen Energiewende kommen.


Es ist daher nicht nur sinnvoll, sondern zwingend erforderlich, dass die deutschen Meiler weiterlaufen und vor allem, dass erhebliche Summen in die Forschung investiert werden. Reaktoren müssen sicherer werden und es braucht endlich praktikable Methoden, um hoch radioaktiven Abfall per Transmutation zu entschärfen. Die Endlagerung funktioniert ja nicht einmal im Testbetrieb, das hat zuletzt das Debakel in der Asse gezeigt. Diesen Herausforderungen muss sich die deutsche Atomindustrie zukünftig mit etwas mehr Engagement stellen als in der Vergangenheit. Und das kann nur funktionieren, wenn man sie als wichtigen Wirtschaftsfaktor im eigenen Land erhält.

Man kann das Rad der Zeit bei der Atomenergie ebenso wenig zurückdrehen wie bei der Atombombe. Das muss einem vernünftig denkenden Menschen nicht gefallen, aber so ist es eben.

Lesen Sie hierzu auch die Gegenmeinung von Wolfgang Stieler:

(sts)

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