ProSiebenSat.1-Chef setzt noch stärker auf Unterhaltung

Lokales und Live-Inhalte: Der Medienkonzern ProSiebenSat.1 setzt noch entschiedener auf Entertainment. Das Knirschen im Vorstand führt nun zu Konsequenzen.

Lesezeit: 1 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 115 Beiträge

Pro-7-Vorzeigefiguren Joko und Klaas.

(Bild: ProSiebenSat.1)

Von

ProSiebenSat.1 richtet seine Strategie stärker auf den Bereich Unterhaltung aus. Der Medienkonzern, der etwa durch Show-Formate wie "Germany's next Topmodel" und "The Masked Singer" bekannt ist, verstärkt künftig das operative Geschäft im Entertainment-Bereich in der Region Deutschland, Österreich und Schweiz. Schwerpunkt sollen lokale Formate und Live-Inhalte sein. Enge Kooperation soll es mit der eigenen Produktionsfirma Red Arrow Studios, die auch Serien und Filme für andere Unternehmen herstellt, geben.

Der Medienkonzern, an dem auch der von Silvio Berlusconi kontrollierte italienische Wettbewerber Mediaset als Großaktionär Anteile hält, setzt auf mehr digitale Reichweite seiner Streaming-Plattform Joyn. Der Geschäftsbereich der NuCom-Gruppe (E-Commerce) werde eine wichtige Säule des Konzerns bleiben. Zugleich hieß es: "Die bestehenden Beteiligungen, die von Werbung auf den Entertainment-Plattformen profitieren, werden werthaltig weiterentwickelt und im Zuge einer aktiven Portfoliopolitik zu gegebener Zeit veräußert."

heise online daily Newsletter

Keine News verpassen! Mit unserem täglichen Newsletter erhalten Sie jeden Morgen alle Nachrichten von heise online der vergangenen 24 Stunden.

Außerdem baut ProSiebenSat.1 nach Querelen im Führungsteam den Vorstand um. Vorstandsvorsitzender Max Conze wird das Unternehmen mit sofortiger Wirkung verlassen. Damit hört er nach knapp zwei Jahren an der Spitze auf, im Juni 2018 hatte der frühere Chef des Staubsaugerherstellers Dyson bei ProSiebenSat.1 begonnen. Im Mediengeschäft war Conze ein Neuling.

Unstimmigkeiten in der Führungsetage des Konzerns mit rund 7250 Mitarbeitern waren jüngst immer sichtbarer geworden. Kürzlich hieß es, dass der stellvertretende Vorstandschef Conrad Albert, der seit vielen Jahren im Unternehmen war, am 30. April "im gegenseitigen Einvernehmen" geht. Er hatte zuvor in einem Interview der Süddeutschen Zeitung mit Blick auf die Führungsquerelen von einer "Vorstands-Soap-Opera" gesprochen.

Finanzvorstand Rainer Beaujean (51) übernimmt nun zusätzlich das Amt des Vorstandssprechers, wie ProSiebenSat.1 mitteilte. Neu im Vorstand sind ab sofort die ProSiebenSat.1-Manager Christine Scheffler (51, Personal) und Wolfgang Link (52, Entertainment).

Der Umbau der Führungsetage fällt wegen der Coronavirus-Krise zugleich in eine angespannte Zeit. Ohnehin muss sich ProSiebenSat.1 mit 15 Free- und Pay-TV Sendern schon lange in einem sich stark wandelnden TV-Markt-Umfeld behaupten. Das immer noch wichtigste Standbein der Werbeerlöse für private Sender schrumpft. Zugleich wächst der Bereich Streaming stark. Hiesige Unternehmen wie auch die Sendergruppe RTL müssen der Konkurrenz von US-Giganten wie Netflix, Amazon, Apple und Disney etwas entgegensetzen. (anw)