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Produktionsbedingungen von Apples iPod in der Kritik

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Apples portabler Musikplayer iPod wird in China unter unmenschlichen Arbeitsbedingungen hergestellt, schrieb das konservative britische Blatt Mail on Sunday, das von diversen Magazinen zitiert wurde. In dem Bericht sprach die Zeitung von 15-Stunden-Arbeitstagen und Hungerlöhnen von teilweise nur 40 Euro pro Monat. Apple kommentierte, das Unternehmen habe sich verpflichtet, eine sichere Arbeitsumgebung für Arbeiter in allen Zulieferbetrieben zu garantieren ebenso wie eine faire und respektvolle Behandlung der Arbeiter: "Wir untersuchen augenblicklich die Anschuldigungen bezüglich der Arbeitsbedingungen in der iPod-Fabrik in China. Wir tolerieren keine Verletzungen unseres Apple Supplier Code of Conduct (PDF-Datei) durch unsere Zulieferbetriebe", teilte auf Anfrage von heise online ein Sprecher für Apple in Europa mit. Über dieses Statement hinaus wollte Apple zurzeit nicht weiter Stellung beziehen, die Apple-Zentrale in Kalifornien schweigt sich aus und will auch die Frage nach den betroffenen Zulieferpartnern nicht beantworten.

In den Apple-Richtlinien für Zulieferer werden 60 Wochenstunden als Obergrenze für die Arbeitszeit festgelegt. Die von der Mail on Sunday berichteten langen Arbeitszeiten wären also ein eindeutiger Verstoß gegen den Code. Für den Mindestlohn verweist Apple im Code auf die jeweils geltenden Gesetze. In China werden Mindestlöhne nicht zentral, sondern von den Provinzen festgelegt. Ab 1. Juli müssen in der Provinz Shaanxi so etwa mindestens 40 Euro pro Monat bezahlt werden. In Shenzhen, wo eine der beiden von der Mail on Sunday besuchten Fabriken liegt, beträgt der ebenfalls gerade erhöhte Mindestlohn dagegen laut chinesischen Presseberichten 80 Euro pro Monat beziehungsweise 46 Eurocent pro Stunde.

Nach Informationen der Hongkonger Menschenrechtsorganisation China Labour Bulletin bekamen rund 12,7 Prozent der Arbeiter großer Produktionsstätten 2005 nicht einmal den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn. Die Zahlen stammen aus einer Studie des All-Chinesischen Gewerkschaftsbundes, der 10.000 Arbeiter in zehn Provinzen befragt hatte. Die Studie ergab auch, dass Fabrikarbeiter nur rund 68 Prozent des durchschnittlichen Lohns in den Städten erhalten.

Die Mail on Sunday hatte sich auch über die beengte Wohn- und Arbeitssituation der Arbeiter empört. Viele chinesische Firmen, erklärte eine Sprecherin der Menschenrechtsorganisation Human Rights in China gegenüber heise online, bringen ihre Arbeiter direkt auf dem Fabrikgelände unter: "Viele Arbeiter kommen vom Land in die Fabriken und sind auf eine Unterkunft angewiesen", meinte die Sprecherin. "Einige sind in Ordnung, andere sind katastrophal. Generalisieren lässt sich das nicht." Die Menschenrechtsorganisationen beklagen auf jeden Fall, dass die Arbeiter sich oftmals nicht organisieren dürfen, um eventuell Verbesserungen durchzusetzen.

Die zum taiwanischen Konzern Honhai gehörige Firma Foxconn, die vom US-Magazin Wired als einer der chinesischen iPod-Hersteller genannt wird, hat sich bisher zu den Vorwürfen nicht geäußert. Auf der Webseite von Honhai beziehungsweise Foxconn, die ein weitverzweigtes Netz von Fabriken in der gesamten Volksrepublik China unterhalten, gibt es keine Stellungnahme. Eine Anfrage von heise online blieb bislang unbeantwortet. Interessant immerhin, dass der von Honhai auf der Seite veröffentlichte eigene Code of Conduct bei den Rechten der Arbeiter etwas bescheidener ausfällt als bei Apple und etwa keine klaren Obergrenzen für die Arbeitszeit benennt.

Übrigens gehört zu den Foxconn-Kunden nicht nur Apple, sondern eine lange Liste großer Hightech-Unternehmen. Die für bessere Arbeitsbedingungen in China kämpfenden Organisationen China Labour Watch, China Labour Bulletin oder Human Rights in China haben sich bislang vor allem um die Produktion von Spielzeug für Walmart, Disney oder McDonalds gekümmert oder um die Schuhproduktion von Puma oder Nike. Der Hightech-Sektor hätte aber wohl einen ebenso kritischen Blick verdient, um Menschenrechtsverletzungen sowie unmenschliche Arbeitsbedingungen auszuschließen. (Monika Ermert) / (jk)

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