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Prognose für den ITK-Markt 2016: Festnetz wird teurer, deutsche Cloud hebt ab

Die Berater von Deloitte prognostizieren, dass sich die Verbraucher 2016 auf steigende Gebühren im Festnetz einstellen müssen und IT-Dienste "Made in Germany" deutlich wachsen. Virtual Reality bleibe noch in der Nische.

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(Bild: dpa, Ole Spata)

Die Experten für den Markt für Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) des Beratungshauses Deloitte haben nach Gesprächen mit rund 7000 Kunden und Partnern aus der Branche ihre Glaskugel scharf gestellt und eine Reihe von Vorhersagen für 2016 gewagt. Zu den wohl kontroversesten Punkten gehört ihre Prognose, dass sich bei den Telekommunikationspreisen eine Trendwende abzeichnet: Es sei kein Naturgesetz, dass diese immer fielen, erklärte Andreas Gentner von Deloitte am Mittwoch in Berlin: "Das Tal ist erreicht."

Im Festnetz und den dortigen Breitbandangeboten rechnen die Auguren nach vielen Jahren 2016 erstmals wieder mit steigenden Gebühren, während die Mobilfunkanbieter den Preisverfall zumindest stoppen könnten. Der Zusammenschluss von Hutchinson und Orange in Österreich zu "Drei Austria" habe dort bereits zu 20 Prozent höheren Preisen geführt, was sich mittelfristig auch hierzulande ähnlich gestalten könnte. Keiner der größeren Anbieter wolle mehr einen Preiskampf.

Insgesamt geht Gentner zumindest von einer Konsolidierung aus. Einzelne Pakete für Telefon, Internet, Fernsehen und Mobilfunk würden zwar "nicht grundsätzlich" teurer. Da die Bandbreitennachfrage wegen der zunehmenden Zahl vernetzter Geräte im Haushalt aber steige, seien die Kunden bereit, auf teurere Angebot zu migrieren. Rund 35 Prozent der Befragten hierzulande seien laut einer Mobilstudie aus dem Spätsommer bereit, für ein doppelt so schnelles Internet einen entsprechenden Mehrbetrag zu zahlen. Der Experte schränkte aber ein: "Die doppelte Bandbreite für den doppelten Preis wird nicht funktionieren."

Die Marktbeobachter gehen auch davon aus, dass "IT made in Germany" 2016 nach einigen Durststrecken ein aussichtsreiches Jahr mit einem 20-prozentigen Wachstum blüht. Zumindest bei der "deutschen Cloud" machten sich die Spätfolgen der NSA-Affäre für hiesige Anbieter positiv bemerkbar, unterstrich Gentner: "Datenschutz und Datensicherheit sind zunehmend gefragt."

Dieser Trend werde nach Microsoft, das bereits seit kurzem mit der Deutschen Telekom hierzulande kooperiert, auch andere US-Größen wie Amazon und Google nach Deutschland bringen, erwartet der Branchenkenner. Zwei Drittel der befragten Anwender vor Ort sowie ausländischer Geschäftspartner setzten verstärkt auf hierzulande abgewickelte und gehostete Angebote. In der Bundesrepublik gelagerte Daten seien zwar nicht unbedingt vor illegalen Zugriffen mächtiger Geheimdienste wie der NSA geschützt; ein "Zugriff qua US-Gesetz" sei aber ausgeschlossen.

Der Markt für die virtuelle Realität bleibt laut Deloitte in diesem Jahr noch in der Nische. Die Umsätze sollen sich erstmals der Milliardengrenze annähern, wobei 650 Millionen Euro auf die gerade vorgestellten Brillen wie die Oculus Rift oder die HTC Vive entfielen, der Rest auf Inhalte wie Spiele. 20 Prozent der Deutschen können sich dem Report nach vorstellen, entsprechende Augenvorbauten zu nutzen, obwohl die Produkt noch gar nicht im Laden zu kaufen seien. Dies spreche für eine "Marktprofessionalisierung" 2017.

Geld mit VR-Inhalten lasse sich vor allem bereits mit Therapie-Anwendungen verdienen, führte Chris Guse vom Berliner Startup BosePark Productions aus. Yoga sowie Spiele, um die Höhenangst oder den Bammel beim Sprechen vor Menschengruppen zu überwinden, seien gefragt. Interesse bestehe auch daran, sich in Konzerte oder Museen hineinzuversetzen, weiß der Radiomoderator. Auch der "soziale Aspekt" werde etwa mit Videokonferenzen inklusive Avataren stärker. Bei Porno seien VR-Darstellungen vielen Konsumenten dagegen fast schon zu real und "nah".

Noch nicht richtig auf dem Radar hatte die Beraterbranche in Europa Gentner zufolge den wachsenden Gebrauchtmarkt für Smartphones. Dieser tendiere weltweit dieses Jahr gegen 16 Milliarden Euro, hierzulande wachse er auf etwa 800 Millionen Euro. 58 Prozent der hiesigen genutzten Smartphones seien nicht älter als 18 Monate, sodass ein großer Pool an recht leistungsfähigen Second-Hand-Geräten entstehe. Mit dem größten Zuwachs sei beim Online-Verkauf nicht nur über Auktionsplattformen, sondern auch über Spezialportale zu rechnen, ein Teil werde bei Händlern quasi eingetauscht gegen neue Geräte. Was auf dem Zweitmarkt aus "dunklen Kanälen" krimineller Beschaffung stamme, sei schwer zu sagen. (axk)

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