Programmieren am Limit: Demoszener als Meister in der Beschränkung

Computerphilologin: "Die Demoszene ist unwahrscheinlich offen, zugänglich und familiär"

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Fragen an Canan Hastik, Informationswissenschaftlerin mit Schwerpunkt Computerphilologie am Institut für Sprach- und Literaturwissenschaft der TU Darmstadt

heise online: Sie forschen als digitale Geisteswissenschaftlerin über die Demoszene. Wann sind Sie auf dieses Thema gestoßen und was macht es für Sie zu einem spannenden Forschungsgegenstand?

Canan Hastik

(Bild: privat)

Canan Hastik: Mit der Demoszene kam ich 2004 das erste Mal in Berührung. Mein damaliger Freund und heutiger Mann arbeitete am Demo "SHizZle" welches das "Team Pokémé" auf der Breakpoint in Bingen 2005 veröffentlichte. Die ganze Szene und deren Werke sind einzigartig. Besonders interessieren mich der Wandel und die Transformation der Szene, sowohl technisch, ästhetisch als auch kulturell – Beispielsweise die Übertragung von Designkonzepten, gruppenspezifischen Gestaltungsprozesse und sprachliche Varietäten.

Können Sie kurz umreißen, was eine digitale Geisteswissenschaftlerin macht und wie diese Arbeit die klassischen Geisteswissenschaften ergänzt?

Ausgehend von den traditionellen geisteswissenschaftlichen Disziplinen, wie Literatur-, Sprach-, Geschichts-, Kunst-, Medien-, und Kulturwissenschaften, Archäologie, Philosophie und Soziologie bringen digitale GeisteswissenschaftlerInnen zusätzlich Kompetenzen aus den Bereichen Informatik, Informationswissenschaft und Medientechnik und weiteren Disziplinen mit. In ihrer Forschung verwenden sie systematisch digitalisierte und digitale Ressourcen und nutzen, optimieren und entwickeln computergestützte Methoden, Verfahren sowie Werkzeuge zur Beantwortung ihrer Forschungsfragen.

Können Sie wichtige Zwischenergebnisse Ihrer Untersuchungen der Demokultur nennen?

Es gibt diverse Ergebnisse, die ich im Laufe meiner Forschungsarbeit dokumentieren konnte. Folgende Aspekte sind dabei ausschlaggebend für meine weitere Forschungsarbeit. Die Demoszene hat vor dem Hintergrund technischer und ästhetischer Diskurse eine fachspezifische Terminologie zur Beschreibung der Werke entwickelt, die nicht nur stark variiert und mehrsprachig ist, sondern auch exklusive Neologismen und einen eigenen orthographischen Stil besitzt. Werkbeschreibungen können sich aus einem oder mehreren Begriffen und Kurzbeschreibungen zusammensetzen. Zudem werden häufig identische Namen für Gruppen, Akteure und Werke verwendet.

Trifft man Sie auf Demopartys?

Ja, in der Regel in Saarbrücken auf der Revision. Hin und wieder auch in Köln auf der Evoke. Manchmal auch in Helsinki auf der Assembly.

Wie erleben Sie das soziale Miteinander in der Demoszene?

Obwohl die Szene extrem kompetitiv und auf Anonymität ausgerichtet ist, erlebe ich sie als überschaubar, unwahrscheinlich offen, zugänglich und familiär. (mho)