Menü
c't Magazin

Project Athena: Intel startet Zertifizierungsprogramm für Notebook-Komponenten

Unter dem Namen Project Athena werkelt Intel am Laptop der Zukunft und holt dazu die Komponentenhersteller ins Boot.

vorlesen Drucken Kommentare lesen 11 Beiträge

(Bild: c't / Florian Müssig)

Um seine unter dem Namen Project Athena vorangetriebene Vision des Laptops der Zukunft zu unterstützen, gründet Intel an drei strategischen Orten Open Labs: in Taipeh, in Shanghai und in Folsom, Kalifornien. Die Niederlassungen sind an denen der Zulieferer von Notebook-Komponenten wie SSDs, Audio-Chips, Displays, Kameras und vielem mehr orientiert, welche dort ihre Bauteile für Project Athena zertifizieren lassen können. Intel-Ingenieure sollen zudem Hilfestellung geben, um das Stromsparverhalten noch weiter zu optimieren.

Hintergrund der Open Labs ist, dass Intels Prozessoren, Chipsätze und WLAN-Module schon länger nicht mehr die größten Stromverbraucher eines Notebooks darstellen. Bei geringer Systemlast sind Bildschirm und andere Peripherie für das Gros verantwortlich – und bestimmen damit die Akkulaufzeit. Bislang musste jeder Notebook-Hersteller deshalb selbst die zu verwendenden Komponenten auswählen und hinsichtlich des Energiebedarfs überprüfen.

Obwohl die Open Labs bereits in den kommenden Wochen ihre Arbeit aufnehmen, sind die Früchte dieser Arbeit erst im nächsten Jahr zu ernten. Die ersten Project-Athena-Notebooks sollen allerdings schon bis Ende 2019 auf den Markt kommen – dann noch mit individuell von den Notebook-Herstellern ausgewählten Bestandteilen.

Intel nennt bislang nur weiche Kriterium, die Project-Athena-Notebooks erfüllen müssen.

(Bild: Intel)

Konkrete Vorgaben, die Project-Athena-Notebooks erfüllen müssen, hat Intel bislang nicht genannt – und wollte dies auch auf Nachfrage noch nicht tun. Immerhin wurde Intel auf seiner Pressekonferenz etwas spezifischer, was sich hinter den schwammigen Ankündigungen verbirgt, die erstmals auf der CES Anfang des Jahres genannt wurden.

So adressieren Project-Athena-Notebooks der ersten Generation die Interaktion mit dem Notebook. Sensoren und Kameras wie die für Windows Hello werden verwendet, um die Anwesenheit des Nutzers zu überprüfen und entsprechend zu agieren – etwa durch automatisches Schlafenlegen, wenn man den Arbeitsplatz verlässt, oder durch ein Dimmen des Bildschirms, wenn der Nutzer zwar gerade vor dem Gerät sitzt, seine Aufmerksamkeit aber woanders liegt.

Die dafür notwendigen Sensoren sind zwar zusätzliche Komponenten, die den Stromverbrauch potenziell erhöhen, doch die durch sie möglichen Einsparungen sollen größer ausfallen. Zudem sei eine Kaskade denkbar: So braucht es zur Umgebungsüberwachung an sich nur einen energieeffizienten Sensor. Wenn dieser auslöst, wird das Notebook aufgeweckt, und die Windows-Hello-Kamera übernimmt das restliche Einloggen. Der kniffelige Teil sei das reibungslose und unmittelbare Zusammenspiel der einzelnen Komponenten – daher nun die Open Labs, wo die Bauteile sowohl einzeln als auch im Zusammenspiel überprüft werden.

Auch das Thema Datenschutz wurde angesprochen, um dem Vorwurf des permanenten Ausspionierens zu begegnen. So gab Sensorhersteller Himax zu Protokoll, dass seine Lösung mit einem Bildsensor niedriger Auflösung auskommt und man an das Notebook nur Resultate wie einen erkannten Nutzer übermittelt – nicht aber das Bild an sich. Weitere Anbieter entsprechender Anwendungen sind unter anderem Tobii und Mirametrix; Intel selbst bietet mit dem User Aware Service eine Lösung an, die auf einem ToF-Sensor von STMicro aufsetzt.

Die Nutzererkennung ist übrigens alles andere als Zukunftsmusik: Die Intel-/STMicro-Lösung steckt im Dell Latitude 7400 2-in-1; das Mirametrix-System kommt im Lenovo Yoga S940 zum Einsatz – beide Notebooks wurde zur CES angekündigt und kommen dieser Tage in den Handel.

Künftig soll es Notebooks mit mehr als einem Bildschirm geben.

(Bild: Intel)

Die Nachfrage, ob es sich bei den beiden Geräten denn dann auch schon um Project-Athena-Repräsentanten handelt, wollte Intel allerdings nicht beantworten. Womöglich gibt es auf der Ende des Monats stattfindenden Computer-Messe Computex weitere Informationen.

Obwohl mit Project Athena auch Marketing-Zuschüsse für die Notebook-Hersteller verbunden sind, wird man dies bei den ersten Geräten wohl noch nicht sehen: Das an Endkunden gerichtete Marketing, welches in der Vergangenheit durch Centrino- und Ultrabook-Sticker auf dem Notebook sofort ersichtlich war, soll erst mit der zweiten Welle anno 2020 starten. Project Athena ist zudem wohl auch nicht die finale Bezeichnung, die auf den Aufklebern für die Handballenablage stehen wird.

Hinweis: Intel hat den Autor zur Pressekonferenz nach Taipeh eingeladen und die Reisekosten übernommen. (mue)