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Project Fi: Google lanciert Mobilfunk-Dienst

Ab sofort ist Google in den USA auch als Mobilfunk-Anbieter tätig. Das "Project Fi" nutzt komplexe Technik für einen einfachen Tarif und günstiges Roaming. Ein Haken ist allerdings die teure Hardware.

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Netzabdeckungskarte Project Fi

Wer im versorgten Gebiet wohnt, kann Google um eine Einladung zu Project Fi bitten.

(Bild: Screenshot)

Google hat in den USA sein eigenes Mobilfunk-Angebot vorgestellt. Es heißt Project Fi. Google ist ein virtueller Mobilfunker (MVNO), betreibt also keine eigenen Sender. Stattdessen hat es sich bei Sprint und T-Mobile USA eingemietet. Außerdem greift Project Fi auf WLAN zurück. Dafür hat der Datenkonzern eine Datenbank offener, in der Regel gut funktionierender Hotspots erstellt. Übertragungen über WLAN erfolgen immer verschlüsselt (VPN).

Nach zweieinhalb Jahren Vorbereitung bringt Google sein "Netzwerk aus Netzwerken" nun auf den US-Markt.

(Bild: Google)

Eine Kombination aus zwei konkurrierenden Mobilfunknetzen bietet in Nordamerika bisher niemand. Die Wechsel zwischen Sprint, T-Mobile und WLAN sollen nahtlos erfolgen, auch während eines Gesprächs. Dafür muss aber ein Nexus 6 von Motorola verwendet werden. Dieses Highend-Gerät kostet je nach Speicherausbau (32 oder 64 GByte) 649 beziehungsweise 699 US-Dollar (599/649 Euro). Andere Geräte lässt Google für Project Fi derzeit nicht zu.

Die App für Project Fi war schon vergangene Woche durchgesickert. Dabei zeigte sich, dass Google das Nutzungsverhalten der User für Werbezwecke analysiert. Ein Opt-Out ist möglich, wobei aber undeutlich bleibt, ob damit die Überwachung eingeschränkt oder nur der Zuschnitt der Werbung unterdrückt wird.

Der einzige Tarif ist eine Ansage an die bestehenden Anbieter – nicht über den beworbenen Preis, sondern weil er fair und einfach ist. Mehrverbrauch von Daten wird nicht mit höheren Preisen bestraft; und Minderverbrauch führt zu einer anteiligen Gutschrift. Die geringstmögliche Monatsgebühr von 30 US-Dollar beinhaltet unbegrenzte Gespräche innerhalb des Landes sowie nach Kanada, 1 GByte Daten und unbegrenzt Kurznachrichten in alle Welt.

Ohne Nexus 6 kein Project Fi.

Jedes weitere GByte kostet zehn Dollar. An diesem Preis orientiert sich auch die Gutschrift für nicht verbrauchte Datenmengen: Wurden von einem GByte beispielsweise nur 300 MByte verbraucht, wird die Rechnung im Folgemonat sieben Dollar kleiner. Verbindungen ins Ausland werden zu den günstigen Hangouts-Tarifen verrechnet. Nach Deutschland sind das 1 US-Cent je Minute ins Festnetz und 4 Cent zu mobilen Anschlüssen. (Österreich: 2&7 Cent, Schweiz: 2&18 Cent).

Spannend wird es beim Roaming im Ausland, welches in 120 Ländern möglich ist: SMS sind immer gratis. Datenverbindungen kosten mit 10 Dollar pro angefangenem GByte gleich viel wie daheim. Sie sind aber auf höchstens 256 kBit/s limitiert, sofern das in dem Land überhaupt möglich ist. In Kanada und Mexiko bietet Project Fi offenbar nur 2G-Roaming, für andere Länder fehlen Angaben.

Beim Sprachroaming in einem Mobilfunknetz fallen stets 20 Cent pro Minute an. Egal, in welches Land die Verbindung geht, und ob der Kunde selbst angerufen hat oder angerufen wurde. Sprachverbindungen, die über WLAN laufen, werden zum Hangouts-Tarif abgerechnet. Der Kunde kann auf diese Weise also gratis mit Nordamerika telefonieren.

Und Project Fi ist komplett in Google Hangouts integriert. Kunden können unter der selben Nummer telefonieren und SMS versenden, wenn sie Hangouts auf beliebigen Endgeräten nutzen. (ds)