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Projekt Dragonfly: Google arbeitet angeblich weiter an Rückkehr nach China

Nach der Kritik an Googles Plänen einer Suchmaschine für China schien das Projekt am Ende. Intern wird aber wohl weiter entwickelt, heißt es in einem Bericht.

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Google

(Bild: dpa, Boris Roessler)

Googles viel kritisierte Pläne für eine Rückkehr auf den chinesischen Markt sind möglicherweise doch nicht gekippt. Das berichtet The Intercept unter Berufung auf Beobachtungen von mehreren, anonymen Mitarbeitern des Suchmaschinenkonzerns. Die haben demnach in internen Werkzeugen nachverfolgt, dass an dem Code für Projekt Dragonfly weiterhin Änderungen vorgenommen würde. Angesichts von Googles Schweigsamkeit zu dem Thema ist unklar, was der Bericht bedeutet und ob die offenbar ausgesetzte Rückkehr nach China doch noch vorbereitet wird. Offiziell hatte der Konzern sie nicht abgesagt.

Das US-Nachrichtenmagazin The Intercept hatte Googles Pläne vergangenes Jahr öffentlich gemacht und damit viel Kritik an Google ausgelöst. Mit einer eigenen Suchmaschine in China würde Google den dortigen Zensoren helfen, hatten die Gegner angemerkt. Außerdem wären die Inhalte der Suchanfragen für chinesische Behörden einsehbar, da der US-Konzern eine Herausgabe nicht verweigern könnte. Deswegen hatten sich viele Google-Mitarbeiter gegen die Pläne ausgesprochen. Schließlich war auch bekannt geworden, wie das Projekt an den internen Datenschützern vorbei vorangetrieben worden war.

Die vorgesehene und der chinesischen Zensur unterworfene Suchmaschine mit dem Namen Dragonfly (Libelle) würde in China gesperrte Webseiten und Suchanfragen etwa nach Menschenrechten, Demokratie, Religion oder friedlichen Protesten aussortieren. Laut den Quellen von The Intercept entwickelt Google nun zwei Such-Apps für Android und iOS mit den namens Maotai und Longfei. Das Projekt soll Anfang 2017 aufgenommen worden sein und wurde nach seinen Bekanntwerden von Google-Chef Sundar Pinchai verteidigt. Der Konzern hatte zwischen 2006 und 2010 schon einmal eine zensierte Version für China bereitgestellt, die aber nach Kritik aus dem Netz genommen. (mho)