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Projekt JEDI: Microsoft erhält Zuschlag für Aufbau der Pentagon-Cloud

Der Auftrag für den milliardenschweren Aufbau einer US-Militär-Cloud geht an Microsoft – Mitbewerber und Favorit Amazon geht überraschend leer aus.

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(Bild: David B. Gleason (CC BY-SA 2.0))

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Das Pentagon hat sich entschieden: Microsoft erhält den Zuschlag für den Großauftrag zum Aufbau eines Cloud-Computing-Systems für alle Teilstreitkräfte des US-Militärs und sticht damit den Konkurrenten Amazon aus. Der Vertrag hat einen Umfang von 10 Milliarden US-Dollar, soll über 10 Jahre laufen und ist der größte IT-Auftrag in der Geschichte des US-Militärs.

Um den Großauftrag hatten sich anfangs auch IBM und Oracle bemüht, waren im Bieterwettstreit jedoch zuletzt ausgeschieden, weil sie nach Auskunft des Pentagon die Mindestanforderungen nicht erfüllten. Oracle war über diese Entscheidung erzürnt und kritisierte eine unlautere Einflussnahme durch einen Pentagon-Mitarbeiter, der früher bei Amazon tätig war. Das Unternehmen konnte sich jedoch vor Gericht mit einer Klage nicht durchsetzen, wonach ein Interessenkonflikt zugunsten von Amazon bestanden habe – das Gericht machte somit auch den Weg frei für den abschließenden Bieterwettstreit zwischen Amazon und Microsoft. Google hatte auf das Bieterverfahren verzichtet, weil selbstgesetzte Regeln gegen eine Beteiligung an Militärprojekten mit KI sprachen.

Die Entscheidung für Microsoft kommt allerdings überraschend, da Beobachter Amazon als klaren Favoriten gesehen hatten. Das Unternehmen besitzt mit seiner Sparte AWS bei weitem den größten Anteil im Cloud-Computing-Markt und verfügt auch über langjährige Erfahrung bei der Zusammenarbeit mit US-Behörden, etwa mit dem Auslandsgeheimdienst CIA. In seiner Mitteilung zur JEDI-Entscheidung verweist das Verteidigungsministerium darauf, dass bei der Vergabe alle Gesetze und Vorschriften beachtet und die Bieter fair und gleichberechtigt behandelt worden seien.

Die Entscheidung dürfte dennoch Anlass zu Spekulationen geben, dass Amazon als unerwünschter Kandidat galt und daher Microsoft den Zuschlag erhielt; womöglich folgt auch ein juristisches Nachspiel. Wie die Washington Post schreibt, soll US-Präsident Trump während des Vergabeverfahrens deutlich gemacht haben, dass er nicht wünsche, der Vertrag möge mit Amazon geschlossen werden. Eine politische Einflussnahme auf Vergabeverfahren – auch durch den Präsidenten – ist eigentlich untersagt.

Zudem war Amazon bereits Ziel von Trumps Attacken (unter anderem auf Twitter), er warf dem Konzern etwa vor, zu wenig Steuern zu zahlen sowie die US-Post übervorteilen. Auch verdächtigte Trump die von Amazon-Chef Jeff Bezos gekaufte Washington Post schon frühzeitig, sich gegen ihn verschworen zu haben – wie bei Trump nicht unüblich, nahmen seine Angriffe rasch Züge einer persönlichen Fehde an. (tiw)